Die Saldenmechanik

Das Geheimnis von Boom und Krise
Das Geheimnis von Boom und Krise

Die Saldenmechanik einer Ökonomie ist eigentlich völlig trivial und entspricht formal den Regeln der Buchführung. Alles andere als trivial sind allerdings die makroökonomischen Einsichten, die sich mit Hilfe dieser Saldenmechanik gewinnen und leicht begründen lassen. Sie widersprechen völlig dem mikroökonomischen Denken und den einzelwirtschaftlichen Erfahrungen der Menschen, vor allem natürlich dem Denken der schwäbischen Hausfrauen und Unionspolitiker.

 

Erster Lehrsatz:

 

Einnahmen = Ausgaben

 

Meine Ausgaben sind Ihre Einnahmen und Ihre Ausgaben sind meine Einnahmen. Je mehr die Menschen in einer Ökonomie ausgeben, desto größer werden ihre Einnahmen und umgekehrt: Je mehr die Menschen in einer Ökonomie sparen, desto geringer werden ihre Einnahmen und desto stärker verarmen sie.

 

Eine moderne Ökonomie produziert arbeitsteilig, dadurch ist sie hoch effizient. Jeder macht das, was er gelernt hat und sehr gut beherrscht: Einer singt, wer schwindelfrei ist, steigt auf das Dach, andere tauchen, fliegen oder übersetzen und so weiter. Aber jeder braucht jemanden, der ihn dafür bezahlt, der ihm die arbeitsteoilig hoch effizient erzeugten Güter abkauft, sonst sind seine Produkte und Fähigkeiten und die dafür erforderliche Ausrüstung, also das Kapital, plötzlich völlig wertlos und wir haben eine Krise der Wirtschaft mit Massenerwerbslosigkeit, Not und Elend. Wir müssen uns die arbeitsteilig erzeugten Güter erst gegenseitig abkaufen, um im Wohlstand zu leben.

 

Das Sparen ist die Ursache aller Wirtschaftskrisen und je härter gespart wird, desto größer wird die Not der Bürger. Es reicht völlig, mit dem Sparen aufzuhören, um jede Wirtschaftskrise zu beenden. Natürlich sind Politiker und VWL-Professoren nicht so dumm, dass sie das nicht begriffen hätten: In jeder Krise erzählen sie den Bürgern, dass die über ihre Verhältnisse gelebt hätten, dass die Löhne und Sozialleistungen zu hoch wären und jetzt aber kräftig gespart werden müsse, um die Krise zu überwinden. Für die herrschende Klasse dienen die Wirtschaftskrisen zu Lohnsenkung und Sozialabbau und zur Disziplinierung der lohnabhängigen Arbeiter. Brauchen die Reichen wieder billige Lohnsklaven und willige Dienstmädchen, dann verursachen sie durch Sparpolitik und Stabilitätspolitik (Hochzinspolitik) eine Wirtschaftskrise (nach der anderen). Die Massenmedien erklären die Krise und die Massenarbeitslosigkeit dann mit überhöhten Löhnen und einem angeblich unbezahlbaren Sozialstaat und fordern höhere Profite, damit die Reichen wieder mehr Arbeitsplätze schaffen könnten. Journalisten sind nicht so dumm, dass sie es nicht besser wüssten, sie werden genau für diese Lügen bezahlt.

 

 

Zweiter Lehrsatz:

 

 

Geldforderungen = Geldschulden

 

 

Eine Ökonomie kann durch das Sparen von Geld nicht reicher werden. Die Summe aller Geldvermögen und Schulden ist immer Null.

 

Die Höhe der Geldvermögen bestimmt die Höhe der Schulden. Um die Schulden in der Ökonomie zu senken, etwa die Verschuldung des Staates, müssten auch die Geldvermögen (der Reichen) abgebaut werden. Ohne die Geldvermögen der Reichen abzubauen, müsste der Versuch der Regierung, ihr Haushaltsdefizit zu senken, immer scheitern, oder die Regierung müsste einen anderen Schuldner finden und diesem die Schulden aufzwingen (zum Beispiel der Wirtschaft oder dem Ausland oder den Armen), die sie selber im Haushalt nicht mehr machen will.

 

Prinzipiell dient aber die Forderung nach einem Haushaltsausgleich in einer Krise immer der Verschärfung dieser Krise. Denn in einem Markt muss der Saldenausgleich (Forderungen = Schulden) erzwungen werden, indem die Einkommen plötzlich sinken, so dass die Sparer weniger sparen können und die Schuldner mehr Schulden machen müssen, als sie eigentlich geplant und beabsichtigt hatten. Der Saldenausgleich erfolgt also durch den Zusammenbruch der Ökonomie, wenn die geplanten Ersparnisse größer als die geplante Verschuldung sind.

 

 

Dritter Lehrsatz:

 

Einnahmenüberschuss eines Sektors der Ökonomie = Ausgabenüberschuss der anderen Sektoren

 

Jeder Sektor einer Ökonomie kann versuchen, weniger auszugeben als er einnimmt. Ist doch ganz einfach, denkt die naive schwäbische Hausfrau und denkt der  Politiker: Weniger ausgeben als wir einnehmen und schon haben wir alle viel Geld gespart. Weiter denken die meisten Politiker nicht oder sie stellen sich wenigstens so dumm. Dabei sind die Konsequenzen des Sparens völlig klar und unbestreitbar:

 

Sobald alle Sektoren einer Ökonomie konsequent und unbeirrbar versuchen würden, weniger auszugeben als sie einnehmen, würde die Ökonomie sofort zum völligen Stillstand kommen. Niemand könnte noch irgendetwas verkaufen und niemand würde mehr Geld verdienen.

 

Game over!

 

Schlussfolgerung:

 

Damit eine Ökonomie nicht in eine sich selbst verstärkende Spirale der Unterauslastung gerät, muss die folgende Bedingung erfüllt sein:

 

geplante Einnahmeüberschüsse <= geplante Ausgabeüberschüsse

 

Sind die geplanten Einnahmeüberschüsse (das angestrebte Sparen) kleiner als die geplanten Ausgabeüberschüsse (die Verschuldung), dann wächst die Ökonomie bis zur Vollauslastung des Produktionspotenzials real und darüber hinaus nominal (zuletzt steigen nur noch die Preise). In der Regel wird der Umfang des geplanten Sparens und der geplanten Verschuldung von der Geldpolitik der Notenbank mit entsprechend angepassten Zinssätzen für das Zentralbankgeld gesteuert.

Staatsdefizite und privates Geldsparen

Bei einer ausgeglichenen Bilanz mit dem Ausland können die privaten Sektoren im Saldo nur einen Einnahmeüberschuss in der Höhe des Staatsdefizits bilden. Das Defizit im Staatshaushalt ermöglicht also dem Sektor Privat (Privathaushalte und private Firmen) das Sparen von Geld und die Geldvermögensbildung.

 

Die Einnahmeüberschüsse der privaten Sektoren sind gleich den Ausgabenüberschüssen des Staates.

 

Falls der Staat seinen Haushalt ausgleicht, müssen die Privathaushalte und private Firmen gezwungen werden, auf einen Einnahmeüberschuss zu verzichten. Dieser Zwang erfolgt in der Ökonomie durch einen Rückgang der Einnahmen, also durch eine Rezession oder schwere Wirtschaftskrise.

 

Jede Einsparung bei den Ausgaben bedeutet gleichzeitig einen Einnahmeverlust der Ökonomie und einen gesunkenen Einnahmeüberschuss oder ein gestiegenes Defizit der anderen Sektoren. Um sinkende Überschüsse oder steigende Defizite auszugleichen, werden die anderen Sektoren ebenfalls ihr Ausgaben einschränken und damit fortgesetzt weitere Einnahmeausfälle bewirken.

 

Wenn die Geldpolitik nicht gezielt gegensteuert, kommen die Märkte nicht von selbst in ein Gleichgewicht, sondern die Fehlentwicklungen verstärken sich eher.

Die Saldenmechanik des Geldsparens

Wir können eine Ökonomie in zwei Sektoren aufteilen, einen Sektor bilden wir aus den Geldsparern, die Einnahmeüberschüsse erzielen, der zweite Sektor besteht dann aus den Schuldnern mit Ausgabeüberschüssen. Die Ausgaben der Schuldner sind im Saldo die Einnahmen der Sparer und die Ausgaben der Sparer sind im Saldo die Einnahmen der Schuldner (im Saldo heißt, dass die Sparer und die Schuldner auch innerhalb des eigenen Sektors kaufen, was hier ausgeblendet ist).

 

Der Einnahmeüberschuss der Sparer ist also immer genau identisch mit dem Ausgabenüberschuss der Schuldner. Versuchen die Sparer, ihre Ausgaben zu senken, um einen größeren Einnahmeüberschuss zu erzielen, also mehr Geld zu sparen und damit das Geldvermögen zu mehren, dann müssten die Schuldner sich genau in der Höhe des vermehrten Geldvermögens der Sparer zusätzlich verschulden.

 

Senken jedoch die Schuldner ihre Ausgaben ebenfalls genau in der Höhe wie die Sparer, dann haben alle sich gegenseitig arm gespart, ohne dass die Sparer noch mehr hätten sparen können.

 

Bei der Sparerei sind auch die Ausgaben und damit die Einnahmen innerhalb des jeweiligen Sektors selbst gesunken. Die Sparer haben also auch bei anderen Sparern gespart und die Schuldner bei anderen Schuldnern, so dass der Rückgang der Produktion und damit der gesamten Einkommen um einen sogenannten Multiplikator höher ist, als der ursprünglich von den Sparern angestrebte zusätzliche Einnahmeüberschuss.

 

Saldenmechanik des Schuldenabbaus

Die Schuldner versuchen, ihre Defizite durch Senkung ihrer Ausgaben wieder zu reduzieren. Dabei sinken nicht nur die Einnahmen der Sparer, sondern auch die Einnahmen der Schuldner selbst, weil diese sich auch gegenseitig Güter abkaufen.

 

Der Konjunkturrückgang und der Einkommensverlust der Ökonomie ist also um einen Multiplikator höher als nur die Senkung der Ausgaben im Saldo der Schuldner gegenüber dem Sektor der Sparer.

 

Der Versuch der Sparer, ihre Einnahmeüberschüsse zu erhöhen, wird durch den Versuch der Schuldner, ihre Defizite durch die Senkung ihrer Ausgaben zu reduzieren, weitgehend zunichte gemacht. Es kommt dabei jedoch zu einem starken Einbruch der Konjunktur, der durch den Mulitplikatoreffekt verstärkt wird:

 

Summe der Einkommensverluste = Ausgabensenkung der Sparer bei den Schuldnern + Ausgabenreduzierung der Schuldner bei den Sparern + Ausgabensenkung der Sparer bei anderen Sparern + Ausgabenreduzierung der Schuldner bei anderen Schuldnern

 

 

 

Auf der rechten Seite sehen Sie die Folgen des versuchten Abbaus der Schulden und der Bildung zusätzlicher Geldersparnis der drei Sektoren (Unternehmen - Verbraucher - Staat) in den USA während der Großen Depression:

 

Die Unternehmen haben ihre Investitionen stark eingeschränkt und wurden so zu Netto-Geldsparern.

 

Bei den Haushalten fielen die Einkommen stärker als die Ausgaben eingeschränkt werden konnten, bis 1933 die Ausgaben etwa den Einnahmen entsprachen.

 

Der Staatshaushalt hat die Ökonomie vor noch größeren Verheerungen gerettet und mit seinen Mehrausgaben das Geldsparen der Unternehmen ermöglicht.

Schuldenbremse und Konjunktur - die Folgen des Sparens:

Die Saldenmechanik der Schuldenbremse
Eine Powerpoint-Präsentation der saldenmechanischen Zusammenhänge zwischen Staatsverschuldung und Konjunktur. Wie wirken sich höhere oder niedrigere Staatsdefizite auf die gesamten Einkommen/Ausgaben der Makroökonomie aus. Die Präsentation darf für private wie öffentliche Vorträge und Vorführungen frei verwendet werden unter Hinweis auf meine Website wolfgang-waldner.com als deren Quelle.
SchuldenbrPPP2te.pptx
Microsoft Power Point Präsentation 63.7 KB

Die Senkung des Staatsdefizits wird durch eine Senkung der Staatsausgaben angestrebt. Diese führt zu sinkenden Einnahmen der privaten Sektoren (Haushalte und Firmen), die dabei den von ihnen angestrebten Einnahmeüberschuss (zum Sparen von Geld) gefährdet sehen.

 

Um den Einnahmeüberschuss der privaten Sektoren zu erhalten, reduzieren diese ihre Ausgaben, sie sparen also ebenfalls und zwar nicht nur an ihren Zahlungen an den Staat, sondern auch gegenseitig an sich selbst. Dabei sinken ihre Einnahmen weiter, weil alle Privaten weniger Güter bei anderen Privaten kaufen.

 

Der Versuch, das Staatsdefizit durch eine Senkung der Staatsausgaben zu verringern, ist unter Umständen ein Fehlschlag, weil infolge der gesunkenen Staatsausgaben die privaten Sektoren zur Erhaltung ihrer Einnahmeüberschüsse zur Geldvermögensbildung ihre Ausgaben so stark eingeschränkt haben, dass die Staatseinnahmen ebenfalls gesunken sind, womöglich so stark, dass das Defizit nicht gesenkt werden konnte oder sogar noch gestiegen ist.

 

Der starrsinnige Versuch, in einer deflationären Depression ohne Rücksicht auf die Konjunktur das Staatsdefizit zu halbieren, könnte unter Umständen (bei fehlenden Außenhandelsüberschüssen und einer sehr ungleichen Verteilung der Einkommen) zu einer Halbierung der gesamten Produktion und Einkommen der Ökonomie führen.

 

Saldenmechanik und Multiplikator

Die Aufnahme staatlicher Schulden ermöglicht in Krisenzeiten eine die Konjunktur belebende Politik. Nach den Regeln der Saldenmechanik muss ohne Staatsdefizite (Ausgabenüberschüsse des Staates) in einer Ökonomie (ohne Berücksichtigung des Auslands) das Einkommen der Sektoren private Haushalte und Unternehmen so stark fallen, dass diese im Saldo keine Einnahmeüberschüsse erzielen (also kein Geld sparen) können. Dies sei bei einem Einkommen von A der Fall:

 

Y = A

 

Wenn der Staat sich nur aus Steuereinnahmen in Höhe von T finanziert, erhalten wir ein Einkommen der Ökonomie, das in der Höhe der Staatsausgaben G = T mit dem Multiplikator 1 größer als A ist. Dabei muss der Staat das verfügbare Einkommen der Privaten, aus dem diese sparen, mit der Besteuerung senken und darf mit seinen Ausgaben die private Spartätigkeit nicht fördern (also keine Besteuerung der nichtsparenden Armen zur Finanzierung von Subventionen für die Reichen, sondern umgekehrt: Besteuerung der Reichen zugunsten Beschäftigung oder Unterstützung der nichtsparenden Armen). Der Staat kann also durch höhere Ausgaben, die er mit höheren Steuern finanziert, das BIP steigern:

 

Y = A + T

 

In Krisenzeiten gilt für das Staatsdefizit ein Multiplikator nach Keynes, der von der Sparquote der privaten Haushalte abhängig ist. Der Staat sollte seine Ausgaben G um den Betrag (G - T) über seine Steuereinnahmen T hinaus durch Kreditaufnahme steigern. Damit ermöglicht er ein Wachstum der Ökonomie, das die Einkommen der privaten Haushalte bei einer Sparquote von 20% um das Fünffache des Staatsdefizits steigen lässt:

 

Y = A + T + 5(G - T)

 

Allgemein:

Y = A + T + M x (G - T)

Y: Einkommen der Ökonomie gleich Produktion

A: Das Einkommen, bei dem die privaten Haushalte im Saldo überhaupt kein Geld mehr sparen können

T: Steuereinnahmen des Staates

M: Multiplikator, abhängig von der Sparquote der privaten Haushalte

G: Staatsausgaben

G - T: Staatsdefizit, Ausgabenüberschuss des Staates; ermöglicht Einnahmeüberschuss des privaten Sektors

 

In einer Wirtschaftskrise sinkt die Bereitschaft und die Fähigkeit der Privaten und ihrer Firmen zur Kreditaufnahme. Daher müssen nach den Gesetzen der Saldenmechanik auch die Einkommen in der Ökonomie so stark sinken, dass die Einnahmeüberschüsse insgesamt mit den Ausgabenüberschüssen sinken. Denn der Saldo aller Einnahmeüberschüsse und Ausgabenüberschüsse ist immer Null:

 

Einnahmeüberschüsse der Privaten (Sparen von Geld) = Ausgabenüberschüsse der Privaten (Kreditaufnahme) + Staatsdefizit

 

Ein Staatsdefizit lässt das Einkommen in der Ökonomie nur dann steigen, wenn es nicht durch Steuergeschenke an die Reichen entstanden ist, sondern die Einkommen der breiten Bevölkerung erhöht hat (Beschäftigungsprogramme, Sozialausgaben). Steuergeschenke an die Reichen würden nur zu einer höheren Sparquote führen und damit das Staatsdefizit konjunkturpolitisch neutralisieren.

 

 

Anwendungsfälle der Saldenmechanik

Ein praktisches Beispiel zur Argumentation mit Hilfe der Saldenmechanik lieferte die Diskussion um eine "kapitalgedeckte" Rente:

 

„Die Volkswirtschaft kann nicht sparen“ hatte schließlich ganz im Sinne der Stützelschen Saldenmechanik schon in den 50er Jahren der bekannte Satz (ausgesprochen unter anderem von dem Kölner Finanzwissenschaftler Gerhard Mackenroth) gelautet, mit dessen Hilfe damals das Umlageverfahren eingeführt worden war.

Heiner Flassbeck: GESAMTWIRTSCHAFTLICHE PARADOXA UND MODERNE WIRTSCHAFTSPOLITIK

 

Die herrschende VWL gab diese Einsicht damals auf, vermutlich nur deshalb, weil zur Propagierung der "kapitalgedeckten Altersvorsorge" ein Geldstrom zu den "Forschern" und ihren "Forschungsinstituten" floss, sobald diese das "demographische Problem" mit der umlagefinanzierten Rente "erkannt" hatten und im Interesse der privaten Versicherungskonzerne die angebliche "Kapitaldeckung" als Lösung der angeblichen demographischen Probleme forderten.

 

Wie viele gut bezahlte Arbeitsplätze eine Ökonomie wie die Deutschlands anzubieten vermag, ist aber ganz sicher keine Frage der Geburtenzahlen. Es wird immer so viele Einzahler in das Umlagesystem geben, wie es gut bezahlte und attraktive Arbeitsplätze gibt, völlig unabhängig von der demographischen Entwicklung. Die Diskussion um die Renten bot ein gutes Beispiel für die völlige Korrumpierbarkeit der Ökonomen, die Flassbeck drastisch schilderte:

 

Einen Mathematiker, der sich in seinen Ausführungen immer eilfertig von den Grundrechenarten distanzierte, würde die Disziplin rasch zum Schweigen bringen. Einen Physiker, der bei seinen Ableitungen beiläufig die Newtonschen Gesetze „widerlegte“ oder schlicht ignorierte, würden die Fachkollegen sicher in Minuten demontieren. Anders in der Ökonomie: Es ist geradezu tugendhaft, wenn man sich von „Identitäten“ und „Saldenmechanik“ distanziert, ganz gleich, wie oft man dabei gegen die reine Logik verstößt. Der Einwurf, eine Aussage baue auf „Saldenmechanik“, gilt in bestimmten Kreisen als eines der stärksten Gegenargumenten überhaupt.

(ebenda)

 

Die Bildung zusätzlicher "Ersparnisse" zur Altersvorsorge musste also dem Ausland durch Exportüberschüsse aufgezwungen werden. Zusätzlichen Ersparnissen aus dem Sparen nach Rentenräuber Riester und Maschmeyers Rürup stehen so heute zusätzliche Schulden der Griechen, Spanier und Portugiesen gegenüber. Denn für jedes Land mit Überschüssen im Außenhandel muss es andere Länder mit den entsprechenden Defiziten geben, das ist die einfachste Saldenmechanik und die Erklärung, warum die VWL diese nicht mehr mag. Denn auf die Dauer werden unsere Handelspartner unsere Überschüsse und ihre Defizite nicht länger aufsummieren wollen und können. Jetzt sollen aber auch noch die Griechen, Spanier und Portugiesen nach dem deutschen Vorbild sparen. Dann müssen wohl die Marsbewohner die zugehörigen Außenhandelsdefizite bilden.

 

Ein weiteres Beispiel ergab sich mit der Debatte um die Theorie der käuflichen Ökonomen, dass die Wirtschaftspolitik die Gewinne der Unternehmer fördern solle, um diese zur Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen zu motivieren. Es ging natürlich den korrumpierten Professoren um höhere Profite für das Kapital, wofür die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen ein billiger Vorwand und ein dummes Argument war. Flassbeck erinnerte in dem Zusammenhang an die von Wilhelm Lautenbach erstmals formulierte Formel für den Gewinn der Unternehmer:

 

Lautenbach folgerte daraus: „Da aber das Einkommen der Nichtunternehmer pari passu mit der Produktion unmittelbar gegeben ist, eben durch die Höhe der Entschädigungen, die die Unternehmen an die Nichtunternehmer zahlen, während das Unternehmereinkommen gerade unbestimmt ist, erst auf dem Markt festgestellt wird, so hat es einen Sinn, diese Gleichung nach EU aufzulösen. Wir erhalten dann:
EU = I + VU – SN

Also das Einkommen der Unternehmer ist gleich dem Wert der Investition zuzüglich Wert des Verbrauchs der Unternehmer abzüglich Ersparnisse der Nichtunternehmer.“
Damit ist der grundlegende Zusammenhang zwischen Angebots– und Nachfrageseite hinreichend beschrieben: Die Angebotsseite kann nur prosperieren, wenn auch die Nachfrageseite mithält. Nur wenn die Nichtunternehmen oder die Unternehmen selbst Geld ausgeben, nicht sparen, können die Gewinne steigen.

(ebenda)

 

Meist wird heute diese Formel für den Gewinn der Unternehmer nicht auf Wilhelm Lautenbach zurückgeführt, den die Zunft der korrupten Ökonomen aus dem Gedächtnis verbannt hat, sondern auf Michał Kalecki, der diese Erkenntnis mit dem Satz "Die Unternehmer verdienen, was sie ausgeben, die Arbeiter geben aus, was sie verdienen!" erläutert hat. Vollständig und unter Berücksichtigung des Außenhandels muss die Formel so lauten:

 

Gewinn = (Netto)Investitionen + Privatausgaben der Unternehmer - Ersparnisse der Nichtunternehmer +/- Außenhandelssaldo

 

Bei den Investitionen zählen nur die zusätzlichen Nettoinvestitionen, die auch wirklich ausgelastet werden können, so dass sich Nachfragemangel und Unterauslastung für den Gewinn der Unternehmen negativ bemerkbar machen. Jedenfalls ist die Förderung der Unternehmerprofite etwas komplizierter, als dies von den korrupten Professoren immer mit der Forderung nach Steuergeschenken und Subventionen für das Kapital und Lohnkürzungen und Sozialabbau für die Arbeiter propagiert wurde:

 

Die Steuern für die Unternehmen wurden seit Anfang der 80er Jahre massiv gesenkt. Die Gesamtbelastung der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen mit Steuern sank von gut 35 % auf heute etwa 22 %, während die der Lohneinkommen mit 15 % in der gesamten Zeit unverändert blieb. Dabei wurde das nach Meinung der Lobbyisten wichtigste Investitionshemmnis, die „Substanzsteuern“, also die ertragsunabhängigen Steuern wie Vermögens- und Gewerbekapitalsteuer vollständig beseitigt. Der „Erfolg“ in den 90er Jahren war, daß nach dem Abklingen der positiven, aber natürlich defizitfinanzierten Vereinigungseffekte, die Investitionen sich so schwach entwickelten wie nie zuvor.

(Flassbeck, ebenda)

 

Aber das Kapital bezahlt seine Professoren eben nur für eine Interessenpropaganda, die dem geistigen Niveau der Auftraggeber entspricht, nicht dem möglichen Stand der Erkenntnisse einer nicht korrumpierten Wissenschaft. Wobei diese Professoren dafür sorgen, dass ihre Studenten weit hinter die Erkenntnisse früherer Ökonomen zurückfallen:

 

Heute dürfte kaum ein Abgänger einer wissenschaftlichen Hochschule in Deutschland die Namen Lautenbach und Stützel gehört haben oder gar in deren Kenntnis des zentralen Zusammenhangs der gesamten Makroökonomie, des Zusammenhangs von Sparen und Investieren, eingeweiht worden sein.

(Flassbeck, ebenda)

 

Die sogenannte Geldschöpfung aus dem Nichts

 

Das Thema der Kreditgeldschöpfung hat zu einigen Missverständnissen geführt. Zum Beispiel, dass die Banken das "aus dem Nichts" geschaffene Geld doch auch für sich selbst aus dem Nichts zaubern und damit Gewinne für sich erzeugen oder Verluste ausgleichen könnten. Bei der Geldschöpfung wird aber nur ein Kreditverhältnis dokumentiert und von der Bank abgewickelt. Die Bank braucht für die Geldschöpfung also einen Kreditnehmer mit Sicherheiten! Diese Sicherheiten werden dann von der Bank durch den Kreditvertrag belastet. Ohne belastbare Sicherheiten findet die Geldschöpfung nicht statt. Natürlich kann eine Bank theoretisch auch ihre eigenen Sicherheiten, zum Beispiel ein Gebäude oder eingekaufte Edelmetalle bei einer anderen Bank als Sicherheiten für einen Kredit belasten lassen; oder sie reicht gekaufte Wertpapiere bei der Zentralbank als Sicherheit für Zentralbankgeld ein. In keinem Fall aber kann die Bank mit der Geldschöpfung aus dem Nichts unmittelbar einen Gewinn für sich selbst erzeugen.

 

Noch verständlicher wird die Geldschöpfung mit Hilfe der Saldenmechanik. Bei der Kreditaufnahme selbst ändert sich durch die Kreditvergabe noch überhaupt nichts an den Geldvermögen und Schulden in der Ökonomie. Denn der Kreditnehmer hat genau in der Höhe seiner aufgenommenen Schulden ein Guthaben auf dem Konto. Der einzige Unterschied ist der Termin, denn das Guthaben auf seinem Konto ist eine sofort fällige Forderung an die Bank und kann sofort für einen Kauf durch den Schuldner verwendet werden. Das war ja der Zweck der Verschuldung. Die Bank muss mit ihrer Forderung die vereinbarten Tilgungszeiträume abwarten.

 

Sobald der Schuldner mit dem Geld auf seinem Bankkonto kauft, haben wir saldenmechanisch einen Überschuss seiner Ausgaben über seine Einnahmen. Der Rest der Ökonomie hat damit einen Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben und es ist durch den Kauf zusätzliches Geldvermögen entstanden.

 

Um es noch deutlicher auszudrücken: Die eigentliche (Netto-)Verschuldung entsteht durch einen Kauf, nicht durch die Geldschöpfung. Der Käufer hat dem Verkäufer einen entsprechenden Preis zu zahlen, also einen bestimmten Betrag an Geld. Diese Forderung des Verkäufers entsteht mit dem Kauf. Der Käufer kann nun den geschuldeten Geldbetrag bei seiner Bank gegen Sicherheiten leihen. Mit der Überweisung des Geldbetrags an den Verkäufer erlischt dessen Forderung an den Käufer.

 

Die Kreditgeldschöpfung ist also eine Bilanzverlängerung, während durch den Kauf von Gütern eine zusätzliche Verschuldung (ein Ausgabenüberschuss des Käufers und ein Einnahmeüberschuss des Verkäufers) mit entsprechenden Forderungen in der Ökonomie entsteht. Diese zusätzliche Verschuldung kann nur dadurch wieder verschwinden, dass der Verkäufer mit dem eingenommenen Geld selber wieder kauft und dabei ein bisheriger Schuldner mit einem Ausgabenüberschuss nun wieder einen Einnahmeüberschuss realisiert. Für die Auswirkungen von Käufen auf Geldvermögen und Verschuldung einer Ökonomie sind vier Fälle zu unterscheiden:

 

1) Sparer kauft bei Sparer und bezahlt (Geldvermögen wechselt den Eigentümer)

2) Kreditkauf bei einem Sparer (Schulden und Geldvermögen wachsen)

3) Sparer kauft bei einem Schuldner und bezahlt (Schulden und Geldvermögen sinken)

4) Kreditkauf bei einem Schuldner (Schuldner hat für den Kaufbetrag einen Nachschuldner gefunden)

 

 

Die Ergebnisse der Sparpolitik in Griechenland

 

Wer die Saldenmechanik verstanden hat, wundert sich über die Folgen der griechischen Sparpolitik nicht:

 

Zitat aus le Bohémien am 24. April 2014:

 

So sank die Wirtschaftsleistung von 233,2 Mrd. € (2008) auf 181,7 Mrd. € im Jahr 2013. Im gleichen Zeitraum stieg die Staatsverschuldung von 112,9 % auf 177,3 % des BIP. Zudem liegt die Arbeitslosenquote in Griechenland derzeit bei einem EU-weiten Rekordhoch von 26,7 %.

Griechenlands Rückkehr an den Kapitalmarkt

 

Selbstverständlich hätten die Reichen in Griechenland genug Geld auf ihren Konten in der Schweiz und anderswo, um durch die Besteuerung der Vermögen und Einkommen dieser Reichen die griechischen Staatsschulden tilgen zu können. Der griechische Staat müsste dazu nur die Villen und Ländereien erfassen, allein das Bauland der griechischen Inseln ist ein Vielfaches der Staatsverschuldung wert. Eine kleine Steuer für Vermögen in Immobilien würde schon reichen.

 

Aber durch das Sparen an den Armen sinken die Schulden nicht. Nur wenn die Reichen weniger Geldvermögen bilden und auf ihre Auslandskonten schaffen, dann kann die Verschuldung Griechenlands wieder sinken. Das wollen die Reichen aber nicht, sondern die Politiker sollen mit Sozialkürzungen und Personalabbau an den Armen sparen.

 

 

Makroökonomie oder Saldenmechanik?

 

 

Makroökonomisches Denken unterscheidet sich vom mikroökonomischen Denken darin, dass es die gesamten Zusammenhänge ökonomischer Vorgänge beachtet.

 

Die mikroökonomische Betrachtung ist beschränkt, weil sie zum Beispiel bei sinkenden Löhnen einfach die Nachfrage nach Arbeit steigen sieht oder von weniger Konsum mehr Ersparnis erhofft – weiter kann von einem mikroökonomischen Standpunkt aus nicht gedacht und argumentiert werden. Für ein Individuum ist die mikroökonomische Betrachtung auch richtig, denn wenn es seine Arbeit billiger anbietet, steigen die Chancen auf einen Job, und wenn das Individuum weniger konsumiert, steigen seine Ersparnisse.

 

Der Makroökonom weiß, dass sinkende Löhne Folgen haben wie niedrigere Einkommen, sinkende Preise bis hin zu einer deflationären Depression, steigende Realverschuldung und Realverzinsung, Konsumverzicht und sinkende Investitionen.

 

Das Publikum ist leicht geneigt, auf die mikroökonomischen Argumente hereinzufallen, weil sie den persönlichen mikroökonomischen Erfahrungen entsprechen. Außer den Makroökonomen denken alle Menschen mikroökonomisch, weil das die einzelwirtschaftliche Realität jedes Menschen, von Unternehmern oder Haushalten ist. Die Saldenmechanik ist ein wirkungsvolles Mittel, ganz einfache makroökonomische Denkweisen zu verbreiten, wie etwa Ausgaben = Einnahmen oder Geld = Schulden.

 

Bei der von Prof. Wolfgang Stützel beschriebenen „Saldenmechanik“ haben wir keine wirklich neuen makroökonomischen Erkenntnisse, aber eine didaktisch wirkungsvolle Darstellung des wichtigen Kerns der Makroökonomie und ihres Geldwesens (Wolfgang Stützel, 1958: “Volkswirtschaftliche Saldenmechanik”). Angelehnt an die doppelte Buchführung - und daher dem Publikum sehr vertraut – lehrte Stützel, dass zum Beispiel ein Einnahmeüberschuss eines Sektors der Ökonomie nur bei einem Ausgabenüberschuss der übrigen Sektoren oder in der Außenbilanz möglich wird.

 

Wenn zum Beispiel der Staat seine Schulden um 100 Milliarden reduzieren will, dann reicht es nicht, dass der Staat seine Ausgaben um 100 Mrd. reduziert, sondern die anderen Sektoren der Ökonomie wie Haushalte und Unternehmen oder das Ausland müssten ihre Ersparnisse um 100 Mrd. reduzieren oder ihre Verschuldung um 100 Mrd. steigern. Falls weder das Ausland noch die Haushalte und Unternehmen dazu bereit sind, dann wird das „Sparen“ der Regierung bei ihren Ausgaben nur zu einem entsprechenden Einbruch der Konjunktur führen.

 

Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Bundesbank ist ein gutes Beispiel für die saldenmechanischen Zusammenhänge, wie Jörg Buschbeck, ein überzeugter Anhänger der Saldenmechanik, in seinem Blog unlängst gezeigt hat:

 

Die Zahlen sind für das Jahr 2009 und die Einnahme-Überschüsse der Haushalte und Unternehmen mit 150,1 Mrd. Euro, der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften in Höhe von 19,87 Mrd. und der finanziellen Sektoren mit 29,01 Mrd. ergeben als Summe Einnahme-Überschüsse von 198,98 Mrd. Euro.

 

Diese Überschüsse erfordern zum Ausgleich einen Exportüberschuss von 119,66 Mrd. und eine Zunahme der Staatsverschuldung für den Restbetrag in Höhe von 79,32 Mrd. Euro.

 

Diese Saldenmechanik ist eine gute Erklärung für die Verursachung einer Wirtschaftskrise in Deutschland durch den Versuch unserer Handelspartner, ihr Handelsdefizit mit Deutschland zu senken, während gleichzeitig die deutsche Regierung den Haushalt ausgleichen will. Damit die Defizite reduziert werden können, müssten sinkende Einnahmen der deutschen Haushalte und Unternehmen deren Überschüsse entsprechend reduzieren. Wenn dann diese Sektoren ebenfalls verstärkt sparen, sind wir in einer sich selbst verstärkenden Depression, in der die Märkte von selbst zu keinem neuen Gleichgewicht finden könnten. Nur keynesianisches Deficit-Spending wäre die Lösung der konjunkturellen Probleme.

 

Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung kann die ganze Dramatik dieser Zusammenhänge und makroökonomischen Gesetze deutlich machen. Zitat von Prof. Johannes Schmidt:

 

Bei jedem Wirtschaftssubjekt  (i.S. von: jedem einzelnen) können Einnahmen und Ausgaben voneinander abweichen, bei allen Wirtschaftssubjekten (i.S. von: allen zusammen) sind Einnahmen und Ausgaben zwingend gleich. 

 

Saldenmechanik: ein Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung der makroökonomischen Theorie? (PDF)

 

 

Eine überzeugende Kritik der Sparpolitik hatte einst Thomas Strobl auf seinem leider nicht mehr existenten Blog "weissgarnix" formuliert. Er zitierte zuerst Stützel:

 

Partialsatz: Je geringer die Ausgaben, desto größer der Einnahmeüberschuß. “Sparen” (“Konsumverzicht”) im Sinne einer Einschränkung der Ausgaben und “Sparen” im Sinne der Bildung eines Einnnahmeüberschusses sind also positiv korreliert.

 

Größenmechanik: Es besteht keinerlei Korrelation zwischen Sparen im Sinne eines Ausgabenrückgangs und Sparen im Sinne eines Einnahmenüberschusses. Vielmehr führt ein Ausgabenrückgang einer Gruppe nur dann zu einem Einnahmeüberschuß, wenn die Komplementärgruppe einen Ausgabeüberschuß vor- oder hinnimmt. Andererseits kommt es bei jeder Gruppe auch ohne Ausgabenrückgang stets zu einem Einnahmenüberschuß, wenn die Komplementärgruppe einen solchen Ausgabenüberschuß vornimmt.

 

Globalsatz: Ein Ausgabenrückgang führt stets zu einem Einnahmerückgang und nie zu einem Einnahmeüberschuß.

(Stützel, Volkswirtschaftliche Saldenmechanik, S. 74)

 

Und dann die treffende Schlussfolgerung von Thomas Strobl:

 

Wenn die Bundesregierung ihren Haushalt durch ein Sparprogramm “sanieren” will, dann befindet sie sich auf dem Holzweg; was sie stattdessen macht, ist nichts anderes, als ihr eigenes Defizit jemand anders aufs Auge zu drücken: ihre eingesparten Ausgaben sind jemand anderes nicht mehr erzielbare Einnahmen. Der Staat wird relativ “reicher”, weil jemand anders in der Volkswirtschaft “ärmer” wird. Nach allem, was wir bislang wissen, werden es die sein, die ohnehin schon zu den Ärmsten zählen.

 

 

Wichtige Zitate aus den Literaturquellen:

Wilhelm Lautenbach:

 

Die Frage ist vielmehr, ob die Liquidität der Banken sich bessert, wenn Einkommensbezieher sparen und nun - meinetwegen sofort - Effekten kaufen. Um das zu entscheiden, muß man prüfen, wie die Liquidität und das Kreditvolumen sich stellen, wenn der Einkommensbezieher nicht gespart, sondern alles ausgegeben hätte. Dann wären die Beträge Unternehmern als Einkommen zugeflossen! Es wären entweder Unternehmerdebitoren entsprechend vermindert oder Unternehmerkreditoren erhöht worden, der Kreditbedarf der Unternehmer um den gleichen Betrag geringer gewesen […].

 

Zins, Kredit und Produktion. S. 189

 

Wenn alle Unternehmer pari passu investierten, Nichtunternehmer aber nicht sparten, würden die Banken überhaupt nicht über den Betrag der periodisch zwischen Null und dem Maximalbetrag der Faktorkosten (Lohnzahlung usw.) schwankenden Betriebskredite hinaus beansprucht werden, wie hoch auch immer die Investition wäre.

 

Zins, Kredit und Produktion. S. 191:

 

 

Volkswirtschaftliche Saldenmechanik: Literatur und Links

 

Das Buch von Wolfgang Stützel ist seit Nov. 2011 wieder lieferbar:

 

Volkswirtschaftliche Saldenmechanik Ein Beitrag zur Geldtheorie 2. Auflage 44,- € bei Guthabenkrise (zur Förderung der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Guthabenkrise) oder bei Amazon oder im örtlichen Buchhandel.

 

Es handelt sich allerdings um ein sehr wissenschaftlich gehaltenes Werk, das einige Leser leicht enttäuschen wird, die das Thema durch Jörg Buschbeck kennen und seine  stets treffenden und eingängig formulierten Darstellungen dieser Saldenmechanik dann auch von Stützel (vergeblich) erwarten. Wer nicht unbedingt nach den Regeln der Wissenschaft an das Thema herangehen muss, sollte darum besser gleich den erfolgreichen Popularisierer der Stützelschen Saldenmechanik lesen. Selber hätte ich mit dem Buch von Stützel ohne die zündenden Anwendungen dieser Lehre durch Buschbeck auch nicht viel anfangen können.

 

Daher meine Empfehlung: Saldenmechanik mit Jörg Buschbeck.

 

Buchvorschau:

 

Für viele Bücher von Wolfgang Stützel ist jetzt eine Buchvorschau bei Google-Books möglich:

 

Volkswirtschaftliche Saldenmechanik: Ein Beitrag zur Geldtheorie

 

Moderne Konzepte für Finanzmärkte, Beschäftigung und Wirtschaftsverfassung

 

Über einige Währungstheorien

 

Über Unsere Währungsverfassung

 

Über Unsere Währungsverhältnisse: Zehn Jahre Floating

 

Das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft: Bd. 2

 

 

 

 

Links:


Heiner Flassbeck: GESAMTWIRTSCHAFTLICHE PARADOXA UND MODERNE WIRTSCHAFTSPOLITIK (PDF)

 

Johannes Schmidt: Saldenmechanik: ein Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung der makro-ökonomischen Theorie? (PDF)

 

Jörg Buschbeck: Guthabenkrise (BLOG)