Im Jahr 1966/67 gab es die erste Rezession nach dem Krieg. Mir ist das gut in Erinnerung, weil ich verstanden hatte, dass die Rezession von der Bundesbank durch Hochzinspolitik verursacht worden war. Warum das ein Junge im Alter von 13 Jahren gleich kapiert? Nun, es war einfach logisch, dass eine Erhöhung der Zinsen dazu führt, dass seltener auf Kredit gebaut und weniger gekauft und investiert wird. Weil die Kredite teurer werden, sinkt die Nachfrage nach Gütern und Arbeiter werden entlassen.

 

Während der sogenannten Ölkrise 1973/74, die aber auch durch Hochzinspolitik und nicht vom Ölpreis verursacht war, hatte ich die heftigsten Auseinandersetzungen mit dem inzwischen fast restlos zum Neomarxismus bekehrten Kreis meiner politisch interessierten Bekannten und Freunde. Die fielen aus allen Wolken, wenn jemand die Wirtschaftskrise nicht mit dem tendenziellen Fall der Profitrate nach Marx, sondern mit der Hochzinspolitik der Bundesbank begründet hat.

 

Als dann der 1979 zum Chef der FED ernannte Paul Volcker die Zinsen bis 1982 auf 20% hochtrieb, war klar, dass es sich um eine Geldpolitik handelte, die genau wie schon von 1929-33 die Welt in eine schwere Rezession mit Abermillionen Erwerbslosen führen würde. Die Marxisten jubelten, dass jetzt die von Karl Marx vorhergesagte Krise des Kapitalismus eingetroffen wäre. Das war die Aufgabe des Neomarxismus gewesen, mit dem die Theorien von Keynes als Systemstabilisierung verhöhnt und diffamiert werden konnten, die Krisen als unvermeidbare und zu feiernde Station auf dem Weg in das sozialistische Paradies zu preisen.

 

Gleichzeitig hatte sich der Zeitgeist vom Marxismus schon abgewandt und wichtige Wortführer des Marxismus erklärten ihren Abschied vom Proletariat. Passend zur geldpolitisch verursachten Rezession war die Ökobewegung auf der politischen Bühne erschienen. Wer auf der Höhe der Zeit sein wollte, musste sich um die Umwelt sorgen, die durch Konsum und jedes weitere Wachstum der Wirtschaft schwer geschädigt würde, weshalb keynesianische Argumente, die Krise könne und müsse durch die Senkung der Zinsen beendet werden, bei den plötzlich zu Ökologen mutierten ehemaligen Marxisten auf entsetzte und empörte Ablehnung stießen.


So war ich einer der wenigen überzeugten Anhänger von Keynes, die sich dem Zeitgeist entgegen stellten. Anfangs dachte ich, dass die Bürger den Neoliberalismus schnell als schädlich und gefährlich erkennen und ablehnen würden. Es war ein Irrtum, die Massenmedien und Parteien und die ganze sogenannte Wirtschaftswissenschaft blieben den Anhängern von Keynes feindlich gesonnen und erst mit dem Internet gab es für die Gegner des Neoliberalismus wieder die Möglichkeit, sich mit Artikeln und Büchern an der politischen Diskussion zu beteiligen und Einfluss zu gewinnen.