Hochzinspolitik Wirtschaftskrisen Massenarbeitslosigkeit

 

Bei Vollbeschäftigung und hoher Auslastung des Produktionspotenzials steigen die Löhne und Preise. Es kommt zu Inflation und die Kaufkraft der Geldvermögen nimmt ab. Von einem Boom profitieren die Arbeiter durch steigende Löhne und sich ständig bessernde Arbeitsbedingungen, mehr Urlaub und weniger Druck und Stress, die Unternehmer durch die Möglichkeit, ihre Güter bei hoher Nachfrage mit Gewinn zu verkaufen. Die Eigentümer großer Geldvermögen müssen bei Inflation niedrige oder gar negative Realzinsen hinnehmen und fordern deshalb ständig ein Abwürgen der Konjunktur durch sogenannte Stabilitätspolitik.

 

Bei Absatzkrisen und Massenarbeitslosigkeit sinken die Preise und Löhne. Die Herbeiführung von Krisen und Arbeitslosigkeit mit einer restriktiven Kreditpolitik ist die einzige Möglichkeit, wie eine Notenbank die Inflation bekämpfen und ein Sinken der Löhne und Preise am Markt durchsetzen kann. Alle typischen Wirtschaftskrisen der letzten 200 Jahre wurden von den Notenbanken absichtlich inszeniert! Die bewusste Erzeugung von Massenarbeitslosigkeit ist vor allem ein wirksames Instrument, um die Löhne zum Vorteil der Profite zu drücken, den Sozialstaat im Interesse des Kapitals zu zerschlagen und die lohnabhängigen Arbeiter zu disziplinieren und härter auszubeuten. Das ist das offene Geheimnis der Geldpolitik im Kapitalismus.

 

Dass Wirtschaftskrisen absichtlich von den Mächtigen durch ihre Geldpolitik verursacht werden, ist deshalb ein offenes Geheimnis, weil es jeder verantwortliche Bankier, Ökonom und Politiker immer gewusst hat, ohne dass es jemals dem breiten Publikum in den Massenmedien oder in Schulen und Universitäten verraten worden wäre. Die Mitglieder der herrschenden Klasse verständigen sich darüber in kunstvollen Wendungen, die der einfache Bürger und selbst der Student der Ökonomie nicht verstehen kann oder auch nicht verstehen will. Es ist auch wirklich kein erfreuliches Thema, aber wir sollten uns damit befassen, damit es in Zukunft aufhört. Wenn nicht wir, wer sonst? 

Warum die Weltwirtschaftskrise 1929-33 absichtlich verursacht wurde

Great Depression USA Hooverville Great Depression USA Hooverville

Vergessen Sie alles, was Sie bisher über die Weltwirtschaftskrise zu wissen glaubten. Sie war nicht die Folge des Börsenkrachs 1929 und sowohl die Wirtschaftswissenschaftler als auch die Politiker und Journalisten wussten sehr genau, wie die Geldpolitik eine deflationäre Depression sofort beenden kann, wenn das gewollt ist.

 

Politiker, Journalisten und Ökonomen wussten auch, dass die Depression von der Geldpolitik absichtlich verursacht wurde. Schließlich war offen im britischen Parlament schon 1918 diskutiert worden, wie man nach dem Kriegsende die Löhne und Preise wieder senken wollte. Den Beteiligten war auch klar, dass die Löhne und Preise nicht von selber sinken würden und dass Notenbanken nicht einfach die Geldmenge verringern können.

 

Die Deflation der Löhne und Preise nach dem Krieg musste mit einer mörderischen Wirtschaftskrise auf den Märkten durchgesetzt werden, deshalb konnte man auch nicht gleich zum Kriegsende damit beginnen. Die kriegführenden Staaten hatten fast alle den Goldstandard ausgesetzt und der automatische Mechanismus des Goldstandards, der bei steigenden Preisen und Löhnen oder aus anderen Gründen abfließendem Gold eine Absatzkrise und Massenarbeitslosigkeit bewirkt, musste erst durch die Rückkehr zum Goldstandard wieder in Kraft gesetzt werden. Diese Rückkehr zu einem globalen Goldstandard dauerte bis zum Jahr 1928, als sich auch Frankreich wieder diesem Währungsmechanismus anschloss.

 

Selbstverständlich wollten alle Spekulanten von der Großen Depression noch extra profitieren und ihre Aktien rechtzeitig zu Höchstkursen verkaufen. Das war der eigentliche Grund für den Boom an der Wallstreet und die aufgeregte Berichterstattung der Presse, mit der das Publikum zum Kauf dieser Aktien verleitet wurde, bis die Hausse 1929 durch die Zinserhöhungen der FED beendet wurde.

 

Mit der Börsenspekulation hatte die Notenbank eine gute Ausrede für die kräftige Erhöhung der Zinsen, die nicht nur die Börsenkurse in den Keller trieben, sondern die ganze Weltwirtschaft. Wie man die Zinsen nach dem Börsencrash schnell wieder senkt, um eine Rezession der Wirtschaft zu verhindern, wäre die nicht gewollt gewesen, war selbstverständlich jedem Notenbanker bekannt. Man hatte jetzt aber mit dem Goldstandard einen Vorwand, die Zinsen nicht zu senken, musste man doch einen Abfluss der eigenen Goldreserven ins Ausland ständig verhindern, indem jedes Land seine Zinsen noch höher hielt als die anderen Staaten.

 

So konnte man diese für die Wirtschaft und die erwerbslosen Menschen mörderische Hochzinspolitik immer begründen. Den Bankiers war klar, dass der Goldstandard nur ein Vorwand für die gewünschte Geldpolitik war, denn eigentlich hätte ja genau das Land, dem das Gold zufloss, die Zinsen senken und seine Wirtschaft damit beleben müssen. So aber konnten die Notenbanker vor dem Publikum auf das Ausland und die Entwicklung der Goldreserven verweisen und die restriktive Geldpolitik fortsetzen.

 

Selbstverständlich kann ich diese Darstellung der Großen Depression mit Quellen belegen, sowohl für die Befürworter dieser Deflation der Löhne und Preise wie für die Gegner dieser Politik. Es ist kein Geheimnis, auch wenn man das Publikum bis heute über die wirklichen Hintergründe der Weltwirtschaftskrise schamlos belogen hat. Der erste Weltkrieg hatte die Löhne und Preise um das Zwei- bis Zweieinhalbfache in den USA und in Großbritannien steigen lassen. Die reichen Rentiers fühlten sich durch die Inflation betrogen und die Rentiersklasse in GB und den USA war mit den Bankiers, die ihre Interessen vertraten, mächtig und skrupellos genug, um die Weltwirtschaftskrise zu dem Zweck zu inszenieren, die Löhne und Preise wieder auf das Vorkriegsniveau von 1913 herunter zu brechen.

 

Wie es ja schon 1918 ganz offen im Parlament diskutiert und in der Presse für die eingeweihten Kreise der herrschenden Klasse klar propagiert und angekündigt worden war.

 

Wichtige Quellen zur Großen Depression 1929-33

Mit den nachfolgenden Zitaten können Sie die Diskussion verfolgen, die der Großen Depression seit etwa 1918 voraus ging. Wir haben hier auf der einen Seite die Anhänger der Deflation aus dem Umfeld der internationalen Bankiers, die mit allen Mitteln die im Krieg gestiegenen Preise und Löhne zu senken gedachten. Auf der Gegenseite befand sich Keynes - vermutlich mit Unterstützung durch Alfred Milner selbst, aber nicht seiner Secret Society, des sogenannten Kindergartens, bis zu Milners Tod im Mai 1925. Einen weiteren einflussreichen Mitstreiter hatte Keynes mit Max Aitken, 1st Baron Beaverbrook, dem sogenannten „First Baron of Fleet Street“, der einen Großteil der britischen Presse beherrschte. 

Das Cunliffe-Committee

 

Die Preise hatten sich in England durch den Großen Krieg seit 1914 mehr als verdoppelt und das britische Parlament beauftragte bereits im Januar 1918 ein Komitee unter der Leitung des Gouverneurs der Bank von England, Walter Cunliffe, das eine Deflationspolitik für die Zeit nach dem Kriegsende vorbereiten sollte. Es war kein Geheimnis für Bankiers und Politiker, dass es nach dem Krieg zu einer gewaltigen Wirtschaftskrise kommen sollte. Das breite Publikum jedoch hat die gewählten Worte des Parlamentskomitees sicher nicht verstanden; lesen Sie also sehr sorgfältig und versuchen Sie zu begreifen, welche Konsequenzen der Versuch haben musste, die englische Ökonomie wieder in den Vorkriegszustand mit einer Geldmenge von nur noch etwa 180 Millionen Pfund statt 382 Millionen Pfund zurück zu versetzen. Man hat dann damit bis 1929 gewartet, weil Frankreich erst 1928 wieder zum Goldstandard kam. Das britische Empire konnte eine derart brutale Depression nicht im Alleingang durchführen; es ging nur als deflationäre Depression der ganzen Weltwirtschaft.

 

Auszug aus dem »Interim Report of the Cunliffe Committee« vom 15. August 1918, der gesamte Report ist im Internet zu finden. Der Bericht zeigt den enormen Anstieg der umlaufenden Banknoten vom 1914-18 mit ungedeckten Banknoten in Höhe von 230 Millionen Pfund:


13. The amounts on 30 June 1914, may be estimated as follows:

Fiduciary Issue of the Bank of England £18,450,000;

Bank of England notes issued against gold coin or bullion £38,476,000

Estimated amount of gold coin held by banks (excluding gold coin held in the Issue Department of the Bank of England) and in public circulation £123,000,000

Grand Total £179,926,000


The corresponding figures of 10 July 1918, as nearly as they can be estimated, were:

Fiduciary Issue of the bank of England £18,450,000

Currency notes not cover by gold £230,412,000

Total Fiduciary Issues £248,862,000

Bank of England notes issued against coin and bullion £65,368,000

Currency notes covered by gold £28,500,000

Estimated amount of gold coin held by banks (excluding gold coin held by Issue Department £40,000,000 of Bank of England), say

Grand Total £382,730,000

There is also a certain amount of gold coin still in the hands of the public which ought to be added to the last-mentioned figure, but the amount is unknown.


14. As Bank of England notes and currency notes are both payable at the Bank of England in gold coin on demand this large issue of new notes, associated, as it is, with abnormally high prices and unfavourable exchanges, must have led under normal conditions to a rapid depletion, threatening ultimately the complete exhaustion, of the Bank’s gold holdings. Consequently, unless the Bank had been prepared to see all its gold drained away, the discount rate must have been raised to a much higher level, the creation of banking credit (including that required by the government) would have been checked, prices would have fallen and a large portion of the surplus notes must have come back for cancellation. In this way an effective gold standard would have been maintained in spite of the heavy issue of notes. But during the war conditions have not been normal.


Das Komitee empfahl die Rückkehr zum Goldstandard nach dem Krieg zu den Vorkriegsparitäten und die Senkung der Preise durch hohe Zinsen. Man war sich aber unsicher, wie schnell das durchzuführen sein würde.


15. We shall not attempt now to lay down the precise measures that should be adopted to deal with the situation immediately after the war. These will depend upon a variety of conditions which cannot be foreseen, in particular the general movements of world prices and the currency policy adopted by other countries. But it will be clear that the conditions necessary to the maintenance of an effective gold standard in this country no longer exist, and it is imperative that they should be restored without delay.

 

Hier beschreibt das Parlamentskomitee, wie ein Goldstandard arbeitet: 



18. Under an effective gold standard all export demands for gold must be freely met. A further essential condition of the restoration and maintenance of such a standard is therefore that some machinery shall exist to check foreign drains when they threaten to deplete the gold reserves. The recognized machinery for this purpose is the Bank of England discount rate. Whenever before the war the Bank’s reserves were being depleted, the rate of discount was raised. This, as we have already explained, by reacting upon the rates for money generally, acted as a check which operated in two ways.

On the one hand, raised money rates tended directly to attract gold to this country or to keep here gold that might have left. On the other hand, by lessening the demands for loans for business purposes, they tended to check expenditure and so to lower prices in this country, with the result that imports were discouraged and exports encouraged, and the exchanges thereby turned in our favour. Unless this twofold check is kept in working order the whole currency system will be imperilled.

To maintain the connection between a gold drain and a rise in the rate of discount is essential to the safety of the reserves. When the exchanges are adverse and gold is being drawn away, it is essential that the rate of discount in this country should be raised relatively to the rates ruling in other countries. Whether this will actually be necessary immediately after the war depends on whether prices in this country are then substantially higher than gold prices throughout the world. It seems probable that at present they are on the whole higher, but, if credit expansion elsewhere continues to be rapid, it is possible that this may eventually not be so.


Hier meine Übersetzung für den Punkt 18, der zum Verständnis der Funktionsweise des Goldstandards wichtig ist:


18. Unter einem wirksamen Goldstandard muss allen Forderungen nach Gold für den Export uneingeschränkt entsprochen werden. Eine weitere grundsätzliche Bedingung für die Wiederherstellung und Durchführung eines derartigen Standards ist daher, dass ein Mechanismus vorgesehen ist, um Abflüsse ins Ausland zu hemmen, sobald diese die Reserven an Gold bedrohen. Der bekannte Mechanismus für diesen Zweck ist die Diskontrate der Bank von England. Wann immer vor dem Krieg die Bankreserven sich zu erschöpfen drohten, wurde die Diskontrate erhöht. Dies funktionierte, wie wir bereits erklärt haben, mit den Auswirkungen auf die allgemeinen Zinsen für Geld, als Hemmung in zweierlei Weise.


Auf der einen Seite werden erhöhte Zinsen direkt Gold in dieses Land ziehen oder das Gold hier halten, das sonst abgeflossen wäre. Auf der anderen Seite, über die Senkung der Kreditnachfrage für Geschäftszwecke, hemmen sie die Ausgaben und senken so die Preise in diesem Land mit dem Ergebnis, dass Importe erschwert und Exporte gefördert werden und sich die Handelsbilanz zu unserem Vorteil wendet. Wenn dieses zweifache Hemmnis nicht funktionsfähig gehalten wird, wird das gesamte System der Währung gefährdet.


Die Verbindung zwischen einem Abfluss von Gold und der Erhöhung der Diskontrate ist grundlegend für die Sicherheit der Reserven. Wenn die Zahlungsbilanz ungünstig ist und Gold abgezogen wird, dann ist es grundsätzlich wichtig, dass die Diskontrate in diesem Land relativ zu den in anderen Ländern geltenden Raten angehoben wird. Ob dies jetzt notwendig sein wird, sofort nach dem Krieg, hängt davon ab, ob die Preise in diesem Land dann wesentlich höher als die Goldpreise auf dem Weltmarkt sein werden. Es scheint möglich, dass sie gegenwärtig insgesamt höher sind, aber, wenn die Kreditexpansion überall weiter hoch bleibt, dann könnte es vielleicht auch nicht der Fall sein.


Die Parlamentskommission fasste ihre Empfehlungen so zusammen:


The prerequisites for the restoration of an effective gold standard are:

a) The cessation of government borrowing as soon as possible after the war. We recommend that at the earliest possible moment an adequate sinking fund should be provided out of revenue, so that there may be a regular annual reduction of capital liabilities, more especially those which constitute the floating debt.

b) The recognized machinery, namely the raising and making effective of the Bank of England discount rate, which before the war operated to check a foreign drain of gold and the speculative expansion of credit in this country, must be kept in working order. This necessity cannot, and should not, be evaded by any attempt to continue differential rates for home and foreign money after the war.

c) The issue of fiduciary notes should, as soon as practicable, once more be limited by law, and the present arrangements under which deposits at the Bank of England may be exchanged for legal tender currency without affecting the reserve of the Banking Department should be terminated at the earliest possible moment.


Es waren die üblichen Ratschläge zur Verursachung einer möglichst schweren Wirtschaftskrise, nämlich den Haushalt auszugleichen und die Staatsverschuldung zu senken, den Diskontsatz der Notenbank erhöhen und damit die Kreditexpansion zu beschränken und die Notenbank durch Gesetze zu dieser restriktiven Kreditpolitik zu zwingen, damit diese dem zu erwartenden Druck, ihre restriktive Geldpolitik aufzugeben, mit Verweis auf die Gesetze widerstehen kann.


No doubt it would be possible for the Bank of England, with the help of the joint stock banks, without any legal restriction on the note issue, to keep the rate of discount sufficiently high to check loans, keep down prices, and stop the demand for further notes. But it is very undesirable to place the whole responsibility upon the discretion of the banks, subject as they will be to very great pressure in a matter of this kind. If they know that they can get notes freely, the temptation to adopt a lax loan policy will be very great. In order, therefore, to ensure that this is not done, and the gold standard thereby endangered, it is, in our judgement, imperative that the issue of fiduciary notes shall be, as soon as practicable, once more limited by law, and that the present arrangements under which deposits at the Bank of England may be exchanged for legal tender currency without affecting the reserve of the Banking Department shall be terminated at the earliest possible moment.


Wie sich die hohen Zinsen tatsächlich in einer schrecklichen Krise auswirken, hat das Komitee nicht deutlich gemacht, obwohl der gerade zitierte Auszug zeigt, wie sehr man sich dort der Auswirkungen einer restriktiven Kreditpolitik bewusst war. Denn die Preise sinken nicht einfach, weil die Zinsen erhöht werden, sondern die hohen Zinsen lösen eine brutale Absatzkrise aus. Diese deflationäre Depression mit Massenarbeitslosigkeit soll dann zu sinkenden Löhnen und Preisen führen. Keynes hat das klar beschrieben:


Deflation does not reduce wages »automatically«. It reduces them by causing unemployment. The proper object of dear money is to check an incipient boom. Woe to those whose faith leads them to use it to aggravate a depression!

Keynes, »The Economic Consequences of Mr. Churchill« (1925), Essays in Persuasion, London 1963, S. 259.


Meine Übersetzung:


Deflation senkt die Löhne nicht »automatisch«. Sie senkt sie durch die Verursachung von Arbeitslosigkeit. Die eigentliche Aufgabe von knappem Geld ist es, einen beginnenden Boom zu hemmen. Wehe denen, die sich durch ihre Überzeugung dazu verleiten lassen, es zur Verschärfung einer Depression zu benutzen.

 

 

Die Deflationisten

Robert Brand (1878–1963) war ein Mitglied von Milners Kindergarten, der von Carroll Quigley in seinem wichtigen Werk The Anglo-American Establishment beschrieben wurde. 

 

Seit 1902, nach dem zweiten Burenkrieg, war Robert Brand ein Mitarbeiter des Gouverneurs Alfred Milner in Südafrika. Im Jahr 1909 ging er zur Investment-Bank „Lazard Brothers and Company“, deren geschäftsführender Direktor er bald wurde. Brand war federführend in der von Milner im Jahr 1909 gegründeten Gesellschaft The Round Table, die eine enge Zusammenarbeit innerhalb des britischen Commonwealth und mit den USA anstrebte. Dazu wurde 1910 eine Zeitschrift gegründet, das The Round Table Journal, in dem im Dezember 1918 der nachfolgend zitierte Artikel von Robert Brand erschien. Nach Carroll Quigley vertrat Brand hier den Standpunkt der „Internationalen Bankiers“, mit denen er eng verbunden war. Aus der Sicht dieser Bankiers konnte Großbritannien seine bis zum Weltkrieg unangefochtene Führung im globalen Finanzsystem nur behaupten, wenn das Pfund Sterling durch eine harte Deflationspolitik zum Goldstandard zu den Vorkriegskursen zurück gebracht würde:

 

“That nation will recover quickest after the war which corrects soonest any depreciation in currency, reduces by production and saving its inflated credit, brings down its level of prices, and restores the free import and export of gold. ... With all our wealth of financial knowledge and experience behind us it should be easy for us to steer the right path—though it will not be always a pleasant one—amongst the dangers of the future. Every consideration leads to the view that the restoration of the gold standard—whether or not it can be achieved quickly—should be our aim. Only by that means can we be secure that our level of prices shall be as low as or lower than prices in other countries, and on that condition depends the recovery of our export trade and the prevention of excessive imports. Only by that means can we provide against and abolish the depreciation of our currency which, though the [existing] prohibition against dealings in gold prevents our measuring it, almost certainly exists, and safeguard ourself against excessive grants of credit.”

The Anglo-American Establishment, Kap 7

 

Damals wie heute wurde nur den Eingeweihten der Geldpolitik bei der Lektüre solcher Artikel klar, dass die darin geforderte Preissenkung eine brutale Deflationskrise als Mittel zu ihrer Durchsetzung erfordern würde. Schließlich waren die Löhne und Preise zu halbieren, was dann mit der Großen Depression bis 1931 tatsächlich gelang, wie Keynes später zeigen konnte, der diese Politik in den 20er Jahren noch zu verhindern suchte.

 

Hier ein Auszug aus Quigleys Buch über die Differenzen zwischen Milner und seinem Kindergarten hinsichtlich der geplanten, durchgesetzten und schließlich mit dem Ausscheiden Englands aus dem Goldstandard 1931 beendeten Deflationspolitik.

 

Both Toynbee and Milner were early suspicious of the virtues of free trade - not, however, because tariffs could provide high profits for industrial concerns but because tariffs and imperial preference could link the Empire more closely into economic unity. In his later years, Milner became increasingly radical, a development that did not fit any too well with the conservative financial outlook of Brand, or even Hichens. As revealed in his book Questions of the Hour(1923), Milner was a combination of technocrat and guild socialist and objected vigorously to the orthodox financial policy of deflation, balanced budget, gold standard, and free international exchange advokated by the Group after 1918. This orthodox policy, inspired by Brand and accepted by The Round Table after 1918, was regarded by Milner as an invitation to depression, unemployment, and the dissipation of Britain`s material and moral ressources. On this point there can be no doubt that Milner was correct. Not himself a trained economist, Milner, nevertheless, saw that the real problems were of a technical and material nature and that Britain`s ability to produce goods should be limited only by the real supply of knowledge, labor, energy, and materials and not by the artificial limitations of a deliberately restricted supply of money and credit. This point of view of Milner`s was not accepted by the Group until after 1931, and not as completely as by Milner even then. The point of view of the Group, at least in the period 1918-1931, was the point of view of the international bankers with whom Brand, Hichens, and others were so closely connected. This point of view, which believed that Britain`s prewar financial supremacy could be restored merely by reestablishing the prewar financial system, with the pound sterling at its prewar parity, failed completely to see the changed conditions that made all efforts to restore the prewar system impossible. The Group`s point of view is clearly revealed in The Round Table articles of the period. In the issue od December 1918, Brand advocated the financial policy which the British government followed, with such disastrous results, for the next thirteen years. 

Quigley, The Anglo-American Establishment, S. 131/132 

 

Quigley zeigt auf, dass Milner von 1918 bis zu seinem Tod 1925 zwar auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, aber bezüglich der Geldpolitik keinen Einfluss auf seinen „Kindergarten“ hatte. Die britischen Imperialisten der Milner-Gruppe kontrollierten während der Weltwirtschaftkrise den von ihnen geschaffenen Völkerbund und dessen Unterorganisationen. Die International Labour Organization (ILO) in Genf propagierte unter dem Einfluss der Milner-Leute in den 1930er Jahren, dass der technische Fortschritt die Ursache der Massenarbeitslosigkeit wäre:

 

Emil Lederer: Technischer Fortschritt und Arbeitslosigkeit, Mohr Tübingen 1931; Technical progress and unemployment. ILO, Genf 1938;

Vladimir Woytinsky: Three sources of unemployment: the combined action of population changes, technical progress and economic development, International Labour Office, 1935;

 

Der technische Fortschritt (die bösen Microprozessoren) als Ursache der Massenarbeitslosigkeit war dann wieder in den 1980er Jahren das große Thema für  Gewerkschaften und SPD in Deutschland.

 

John Maynard Keynes argumentiert gegen den Goldstandard und die geplante Deflation der Löhne und Preise

 

Zuerst eine ganz grundsätzliche Aussage zu den Schriften von Keynes, von denen dem Publikum vor allem die „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ bekannt ist: Keynes hat sich in seiner „Allgemeinen Theorie“ nicht mehr zu den Ursachen der Großen Depression geäußert; sie ist deshalb nur eine Streitschrift für eine expansive Geld- und Finanzpolitik in den Zeiten einer Depression geworden und keine Hilfe zum Verständnis der Zusammenhänge und Hintergründe von Geldpolitik und Konjunkturverläufen.

 

In seinen Schriften bis zur Weltwirtschaftskrise hat Keynes vor der Deflationspolitik deutlich gewarnt und damit auch die Deflationspolitik für die Krise verantwortlich gemacht. Diese Schriften, die wir vor allem in dem Band Essays in Persuasion gesammelt finden, sind daher wesentlich wichtiger als die Allgemeine Theorie und werden aus genau diesem Grund von den Professoren vor ihren Studenten und von den Massenmedien vor deren Publikum kaum erwähnt.

 

Die Essays enthalten den Kampf von Keynes gegen den Goldstandard und die Deflationspolitik, die entscheidende Auseinandersetzung der 20er Jahre, ob die Währung gegen das Gold abgewertet wird oder die Löhne und Preise mit einer deflationären Depression niedergebrochen werden. Nachfolgend immer zuerst meine Übersetzung und darunter das originale Zitat mit der Quellenangabe.

 

Keynes war der Auffassung, dass die Währung ohne Goldstandard mit Vernunft reguliert werden könne, dass es also weder eine Rückkehr zum Goldstandard, noch zum Niveau der Löhne und Preise der Vorkriegszeit geben müsse und dürfe:

 

Wahrhaftig, der Goldstandard ist schon ein barbarisches Relikt. Wir alle, vom Gouverneur der Bank von England abwärts, sind nun in erster Linie interessiert an der Erhaltung der Stabilität von Wirtschaft, Preisen und Beschäftigung und wollen diese nicht, wenn wir die Wahl treffen müssen, vorsätzlich dem abgenutzten Dogma opfern, das seinen Wert einmal bei £3:17:10½ die Unze hatte. Fürsprecher des veralteten Standards erkennen nicht, wie entfernt er nun vom Geist und den Erfordernissen der Zeit ist. Ein regulierter, nichtmetallischer Standard hat sich unbemerkt durchgesetzt. Er existiert.

 

In truth, the gold standard is already a barbarous relic. All of us, from the Governor of the Bank of England downwards, are now primarily interested in preserving the stability of business, prices, and employment, and are not likely, when the choice is forced on us, deliberately to sacrifice these to the outworn dogma, which had its value once, of £3:17:10½ per ounce. Advocates of the ancient standard do not observe how remote it now is from the spirit and the requirements of the age. A regulated non-metallic standard has slipped in unnoticed. It exists.

Keynes, »Alternative Aims in Monetary Policy« (1923), Essays, S. 208.


Der Goldstandard hatte seit fast einem Jahrhundert für ein nur wenig schwankendes Preisniveau in England gesorgt und damit für eine Klasse von Rentiers, die von ihrem angelegten Geld sicher vor Inflation und ohne Risiko von den Zinsen leben konnten. Bis es durch den Weltkrieg zu einem enormen Preisanstieg kam, der aber mit der Großen Depression wieder korrigiert wurde. Der Essay stammt aus dem Jahr 1923, für die gesammelten Essays konnte Keynes das Preisniveau des Jahres 1931 ergänzen, das wieder dem von 1844, 1881 und 1914 entsprach; jedenfalls bis zum Ausscheiden Englands aus dem Goldstandard im September 1931, was zu einer Abwertung des Pfundes und wieder steigenden Preisen führte.

 

Annähernd das gleiche Preisniveau herrschte in den Jahren 1826, 1841, 1855, 1862, 1867 und 1915. Die Preise waren auch gleich in den Jahren 1844, 1881 und 1914. [Und wieder, wie man jetzt ergänzen kann, in 1931!] Wenn wir die letzten Jahre auf einem Index mit 100 ansetzen, dann werden wir für den Zeitraum von fast einem Jahrhundert zwischen 1826 bis zum Kriegsausbruch die höchste Abweichung in jeder Richtung mit 30 Punkten finden, der Index steigt nie über 130 und fällt nie unter 70.

 

Approximately the same level of price ruled in or about the years 1826, 1841, 1855, 1862, 1867, 1871, and 1915. Prices were also level in the years 1844, 1881, and 1914. [And again, it is now possible to add, in 1931.] If we call the index number of these latter years 100, we find that, for the period of close to an century from 1826 to the outbreak of war, the maximum fluctuation in either direction was 30 points, the index number never rising above 130 and never falling below 70.

Keynes, »Social Consequences of Changes in the Value of Money« (1923), Essays, S. 88f.


Weil diese Stabilität der Kaufkraft des Pfundes für die Rentiers derart erfreulich war, gab es schon zu Kriegsende eine Mehrheit in den für die Geldpolitik maßgeblichen Kreisen, die Rückkehr zum Goldstandard zu den Vorkriegsparitäten möglichst bald umzusetzen.

 

Es wird oft vorausgesetzt, dass die Wiederherstellung des Goldstandards, also die Einlösung jeder nationalen Währung zu einem festgelegten Verhältnis in Gold, in jedem Fall unser Ziel sein muss; und dass der wichtigste Streitpunkt der ist, ob für die nationalen Währungen der Vorkriegskurs zum Gold wieder hergestellt werden sollte oder ein den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechend weit niedrigerer Kurs; in anderen Worten: die Wahl zwischen Preissenkung und Währungsabwertung.

 

It is often assumed that the restoration of the gold standard, that is to say, of the convertibility of each national currency at a fixed rate in terms of gold, must be, in any case, our objective; and that the main question of controversy is whether national currencies should be restored to their pre-war gold value or to some lower value nearer to the present facts; in other words, the choice between Deflation and Devaluation.

Keynes, »Alternative Aims in Monetary Policy« 1923, Essays, S. 186.


Auch in Italien gab es Bestrebungen, die Kaufkraft der Lira wieder anzuheben und Keynes hat sich in diesem Essay über das mangelnde ökonomische Verständnis Mussolinis lustig gemacht:


In Italien, wo gesunde ökonomische Ansichten viel Einfluss haben und das fast reif für eine Währungsreform sein könnte, hat Signor Mussolini gedroht, die Lira zu ihrem früheren Wert anzuheben. Zum Glück für den italienischen Steuerzahler und die italienische Wirtschaft hört die Lira nicht einmal auf einen Diktator und kann nicht mit Castor Oil geschmiert werden. Aber so ein Geschwätz kann positive Reformen verzögern; freilich mag bezweifelt werden, ob so ein guter Politiker so eine Politik vorgeschlagen hätte, sogar aus Angeberei und im Überschwang, wenn er verstanden hätte, dass in anderen, doch angemessenen Worten es folgendermaßen lautet: »Meine Politik wird die Löhne halbieren, die Last der Staatsschulden verdoppeln und die Preise, die Sizilien für seine Exporte von Orangen und Zitronen erhalten kann, auf 50 Prozent reduzieren.«

Wenn die Wiederherstellung der Vorkriegsparität vieler europäischer Währungen zum Gold weder wünschenswert noch möglich ist, welche Kräfte oder Argumente konnten diese unerwünschte Unmöglichkeit zur erklärten Politik der Mehrheit werden lassen? Die nachfolgenden sind die wichtigsten:

1. Den Goldwert einer Landeswährung auf dem niedrigen Stand zu belassen, auf den der Krieg ihn gebracht hat, ist eine Ungerechtigkeit gegenüber der Rentiersklasse und den anderen, deren Einkommen in Geld festgesetzt ist, und praktisch ein Vertragsbruch; ihren Wert zurück zu gewinnen würde eine Ehrenschuld begleichen…

2. Die Rückkehr einer Währung zu ihrem Vorkriegs-Goldkurs erhöht das finanzielle Ansehen eines Landes und fördert das zukünftige Vertrauen…

3. Wenn der Goldkurs einer Landeswährung erhöht werden kann, werden die Arbeiter von niedrigeren Lebenshaltungskosten profitieren, ausländische Güter werden billiger zu erhalten sein und in Gold festgesetzte Auslandsschulden (wie gegenüber den Vereinigten Staaten) sind mit weniger Anstrengungen zu tilgen.

 

In Italy, where sound economic views have much influence and which may be nearly ripe for currency reform, Signor Mussolini has threatened to raise the lira to its former value. Fortunately for the Italian taxpayer and Italian business, the lira does not listen even to a dictator and cannot be given castor oil. But such talk can postpone positive reform; though it may be doubted if so good a politician would have propounded such a policy, even in bravado and exuberance, if he had understood that, expressed in other but equivalent words, it was as follows: »My policy is to halve wages, double the burden of the National Debt, and to reduce by 50 per cent the prices which Sicily can get for her exports of oranges and lemons.«

If the restoration of many European currencies to their pre-war parity with gold is neither desirable nor possible, what are the forces or the arguments which have established this undesirable impossibility as the avowed policy of most of them? The following are the most important:

1. To leave the gold value of a country`s currency at the low level to which war has driven it is an injustice to the rentier class and the others whose income is fixed in terms of currency, and practically a breach of contract; whilst to restore its value would meet a debt of honour. …

2. The restoration of a currency to its pre-war gold value enhances a country`s financial prestige and promotes future confidence. …

3. If the gold value of a country`s currency can be increased, labour will profit by a reduced cost of living, foreign goods will be obtainable cheaper, and foreign debts fixed in terms of gold (e.g. to the United States) will be discharged with less effort.

Keynes, »Alternative Aims in Monetary Policy« 1923, Essays, S. 190-194.

 

Keynes versuchte, mit einer Abwägung zwischen Inflation und Deflation seine Leser gegen die Deflationspolitik einzunehmen:

 

Wir sehen deshalb, dass steigende Preise wie fallende Preise ihre charakteristischen Nachteile haben. Die Inflation im ersten Fall bedeutet Ungerechtigkeit für Einzelne und Klassen, besonders für Rentiers, und ist daher schlecht für das Sparen. Die Deflation, die fallende Preise verursacht, bedeutet für die Arbeiter Verarmung und für die Wirtschaft eine Beschränkung der Produktion durch die führenden Unternehmer, in ihrem Bestreben, Verluste für sich zu vermeiden, und ist daher verheerend für die Beschäftigung…

Daher ist Inflation ungerecht und Deflation ist unzweckmäßig. Von den beiden ist vermutlich Deflation, wenn wir eine Hyperinflation wie in Deutschland ausschließen, das größere Übel; denn es ist schlimmer, in einer verarmten Welt Arbeitslosigkeit zu verursachen, als den Rentier zu enttäuschen.

 

We see, therefore, that rising prices and falling prices each have their characteristic disadvantage. The Inflation which causes the former means Injustice to individuals and to classes, - particularly to rentiers; and is therefore unfavourable to saving. The Deflation which causes falling prices means Impoverishment to labour and to enterprise by leading entrepreneurs to restrict production, in their endeavour to avoid loss to themselves; and is therefore disastrous to employment…

Thus Inflation is unjust and Deflation is inexpedient. Of the two perhaps Deflation is, if we rule out exaggerated inflations such as that of Germany, the worse; because it is worse, in an impoverished world, to provoke unemployment than to disappoint the rentier.

Keynes, »Social Consequences of Changes in the Value of Money« (1923), Essays, S. 102f.


In seinem Essay zu den sozialen Konsequenzen der Änderungen des Geldwertes erläuterte Keynes, dass von einer Deflation nur die Klasse der Rentiers profitiert, während Arbeiter wie Händler, Fabrikanten, Investoren und Bauern die gewaltigen Nachteile hinnehmen müssen:

 

Die grundsätzlichen Argumente gegen Deflation fallen unter zwei Gesichtspunkte.

An erster Stelle ist Deflation unerwünscht, weil sie, was immer schädlich ist, eine Änderung der geltenden Kaufkraft bewirkt und in ungerechter Weise Reichtum umverteilt, sowohl bezüglich des Wirtschaftsgeschehens wie der sozialen Stabilität. Preissenkung, wie wir bereits gesehen haben, beinhaltet eine Übertragung von Reichtum vom Rest der Gesellschaft zur Klasse der Rentiers und zu allen Eigentümern von Ansprüchen auf Geld; gerade so, wie Inflation das Gegenteil bewirkt. Genauer gesagt beinhaltet sie eine Übertragung von allen Schuldnern, also von Händlern, Fabrikanten und Farmern, zu den Gläubigern, von den Aktiven zu den Inaktiven.

Aber während das Auspressen der Steuerzahler zur Bereicherung der Rentiers das hauptsächlichste Ergebnis ist, haben wir eine weitere, viel gewaltsamere Störung in der Übergangszeit. Die Politik eines stetigen Anhebens der Kaufkraft der Währung eines Landes um beispielsweise 100 Prozent über ihre aktuelle Kaufkraft läuft für jeden Händler und Fabrikanten auf die Ankündigung hinaus, dass auf einige Zeit seine Waren und Rohstoffe stetig in seinem Bestand an Wert verlieren, und für jeden, der sein Geschäft mit geliehenem Geld finanziert, dass er früher oder später 100 Prozent seiner Verbindlichkeiten verliert (denn er muss real gerechnet doppelt so viel zurückzahlen, als er geliehen hat). Moderne Unternehmen, hauptsächlich mit geliehenem Geld ausgeführt, müssen durch einen derartigen Prozess fast unvermeidlich zum Stillstand kommen. Es wird im Interesse jedes Unternehmers sein, für die kommende Zeit sein Geschäft einzustellen, und eines jeden, der eine Investition plant, seine Aufträge so lange wie möglich aufzuschieben. Der Klügste wird derjenige sein, der seine Anlagen zu Geld macht, sich den Risiken und Anstrengungen jeder Aktivität entzieht und in ländlicher Abgeschiedenheit die versprochene stetige Wertsteigerung seines flüssigen Geldes abwartet. Die Erwartung einer vielleicht eintretenden Deflation ist schlimm genug; eine sichere Erwartung ist verheerend.

 

The simple arguments against Deflation fall under two heads.

In the first place, Deflation is not desirable, because it effects, what is always harmful, a change in the existing Standard of Value, and redistributes wealth in a manner injurious, at the same time, to business and to social stability. Deflation, as we have already seen, involves a transference of wealth from the rest of the community to the rentier class and to all holders of titles to money; just as Inflation involves the opposite. In particular it involves a transference from all borrowers, that is to say from traders, manufacturers, and farmers, to lenders, from the active to the inactive.

But whilst the oppression of the taxpayer for the enrichment of the rentier is the chief lasting result, there is another, more violent, disturbance during the period of transition. The policy of gradually raising the value of a country`s money to (say) 100 per cent above its present value in terms of goods amounts to giving notice to every merchant and every manufacturer, that for some time to come his stock and his raw materials will steadily depreciate on his hands, and to every one who finances his business with borrowed money that he will, sooner or later, lose 100 per cent on his liabilities (since he will have to pay back in terms of commodities twice as much as he has borrowed). Modern business, being carried on largely with borrowed money, must necessarily be brought to a standstill by such a process. It will be to the interest of everyone in business to go out of business for the time being; and of everyone who is contemplating expenditure to postpone his orders so long as he can. The wise man will be he who turns his assets into cash, withdraws from the risks and the exertions of activity, and awaits in country retirement the steady appreciation promised him in the value of his cash. A probable expectation of Deflation is bad enough; a certain expectation is disastrous.

Keynes, »Social Consequences of Changes in the Value of Money« (1923), Essays, S. 189f.


In seinem Essay gegen die Rückkehr zum Goldstandard durch Churchill lässt Keynes seinen Ärger deutlich erkennen:

 

Aber ich glaube, dass Mr. Churchills Experten auch die technischen Schwierigkeiten nicht verstanden und unterschätzten, eine allgemeine Senkung der internationalen Geldpreise zu bewirken. Wenn wir die Kaufkraft des Sterling um 10 Prozent erhöhen, übertragen wir etwa 1.000.000.000 Pfund in die Taschen der Rentiers aus den Taschen der übrigen von uns und wir erhöhen die reale Last der Staatsschulden um etwa 750.000.000 Pfund… Ich vermute, dass die Geister seiner Berater noch immer in der akademischen Phantasiewelt hausen, bevölkert von Wirtschaftsredakteuren der City of London, Mitgliedern von Cunliffe- und Währungs-Komitees und dergleichen mehr, in der die notwendigen Anpassungen »automatisch« auf eine »gesunde« Politik der Bank von England folgen.

 

But I think that Mr. Churchill`s experts also misunderstood and underrated the technical difficulty of bringing about a general reduction of internal money values. When we raise the value of sterling by 10 per cent we transfer about £1,000,000,000 into the pockets of the rentiers out of the pockets of the rest of us, and we increase the real burden of the National Debt by some £750,000,000… I think that the minds of his advisers still dwelt in the imaginery academic world, peopled by City editors, members of Cunliffe and Currency Committees et hoc genus omne, where the necessary adjustments follow »automatically« from a »sound« policy by the Bank of England.

Keynes, »The Economic Consequences of Mr. Churchill« (1925), Essays, S. 250f.


Im Jahr 1925, dem Jahr der Rückkehr Englands zum Goldstandard, hat Keynes die Konsequenzen einer Deflationspolitik ganz drastisch geschildert, dass nämlich Krise und Massenarbeitslosigkeit die konkreten Mittel der Deflationspolitik sein werden:

 

Die Bank von England ist gezwungen, den Kredit nach allen Spielregeln des Goldstandards zu beschränken. Sie handelt damit gewissenhaft und »gesund«. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass eine harte Krediteinschränkung – und niemand wird leugnen, dass die Bank das macht – notwendig die Verschärfung der Arbeitslosigkeit unter den gegenwärtigen Umständen dieses Landes beinhaltet. Was wir brauchen, um heute wieder zu Wohlstand zu kommen, ist eine großzügige Kreditpolitik. Wir wollen Geschäftsleute ermutigen, neue Unternehmen zu beginnen, nicht, wie wir es tun, sie abschrecken. Deflation senkt die Löhne nicht »automatisch«. Sie senkt sie durch die Verursachung von Arbeitslosigkeit. Die eigentliche Aufgabe von knappem Geld ist es, einen beginnenden Boom zu hemmen. Wehe denen, die sich durch ihre Überzeugung dazu verleiten lassen, es zur Verschärfung einer Depression zu benutzen.


The Bank of England is compelled to curtail credit by all the rules of the gold standard game. It is acting conscientiously and »soundly« in doing so. But this does not alter the fact that to keep a tight hold on credit – and no one will deny that the Bank is doing that – necessarily involves intensifying unemployment in the present circumstances of this country. What we need to restore prosperity to-day is an easy credit policy. We want to encourage business men to enter on new enterprises, not, as we are doing, to discourage them. Deflation does not reduce wages »automatically«. It reduces them by causing unemployment. The proper object of dear money is to check an incipient boom. Woe to those whose faith leads them to use it to aggravate a depression.

Keynes, »The Economic Consequences of Mr. Churchill« (1925), Essays, S. 259.


Im Jahr 1925 fragt Keynes noch, ob die Öffentlichkeit eine brutale Krise zur Durchsetzung der Deflationsziele dulden wird, vor allem die vorsätzliche Erzeugung von Massenarbeitslosigkeit. Das war selbstverständlich nicht mehr so einfach durchsetzbar, wie einst noch nach dem Krieg gegen Napoleon. Daher dauerte der Beginn der Deflationspolitik noch bis 1929 und Keynes selbst wurde damals von der Krise überrascht und war zunächst an der Börse falsch investiert. Aber wie leicht das Publikum zu täuschen sein würde, hat er doch richtig geahnt:

 

Die Frage ist, wie weit die öffentliche Meinung so eine Politik zulassen wird. Es würde der Regierung politisch unmöglich sein einzugestehen, dass sie vorsätzlich die Arbeitslosigkeit verschärft hat, sogar wenn die Mitglieder des Währungs-Komitees ihr ein Argument dafür liefern. Andererseits ist es möglich, dass eine Deflation ihre Folgen bewirkt, ohne bemerkt zu werden. Deflation, sobald sie einmal auch noch so gering beginnt, verstärkt sich fortschreitend. Sobald der Pessimismus allgemein die Geschäftswelt beherrscht, kann der daraus folgende stockende Geldumlauf die Deflation ein großes Stück weiter bringen, ohne dass die Bank den Zinssatz erhöhen oder die Einlagen [Deposits? Vermutlich meinte Keynes die eingeräumten Kredite] senken müsste. Und weil dem Publikum besondere Gründe immer eher einleuchten als logische Zusammenhänge, wird die Depression auf die ökonomischen Streitpunkte, die sie begleiten, zurückgeführt werden, auf den Dawes Plan, auf China, auf die unvermeidbaren Folgen des Großen Krieges, auf Zölle, auf hohe Steuern, auf alles in der Welt außer auf die grundsätzliche Geldpolitik, die das ganze Geschehen in Gang gesetzt hat.

 

The question is how far public opinion will allow such a policy to go. It would be politically impossible for the Government to admit that it was deliberately intensifying unemployment, even though the members of the Currency Committee were to supply them with an argument for it. On the other hand, it is possible for Deflation to produce its effects without being recognized. Deflation, once started ever so little, is cumulative in its progress. If pessimism becomes generally prevalent in the business world, the slower circulation of money resulting from this can carry Deflation a long way further, without the Bank having either to raise the bank-rate or to reduce its deposits. And since the public always understands particular causes better than general causes, the depression will be attributet to the industrial disputes which will accompany it, to the Dawes Scheme, to China, to the inevitable consequences of the Great War, to tariffs, to high taxation, to anything in the world except the general monetary policy which had set the whole thing going.

Keynes, »The Economic Consequences of Mr. Churchill« (1925), Essays, S. 263f.


Keynes hat dann, als es so weit war, selbstverständlich schneller als die breite Öffentlichkeit das Ausmaß der geplanten Krise gesehen:

 

Die Welt hat erst langsam verstanden, dass wir dieses Jahr im Schatten einer der größten ökonomischen Katastrophen der modernen Geschichte leben.

 

The world has been slow to realize that we are living this year in the shadow of one of the greatest economic catastrophes of modern history.

Keynes, »The Great Slump of 1930« (1930), Essays, S. 135.


Keynes versuchte 1930 wieder, vor den Folgen der Deflation zu warnen. Wie weit er damit Erfolg hatte, lässt sich kaum beurteilen, aber seine Äußerungen und Artikel in der Presse sollen maßgeblich dazu geführt haben, dass der Bank von England schon 1931 das Gold ausging. Das war das Ende des Goldstandards und der Deflationspolitik für den Sterling-Block aus Großbritannien und mehreren sich der Abwertung des Sterling anschließenden Staaten bereits zum Jahresende 1931.

 

Mehr noch, auch wenn wir vielleicht erfolgreich den Stand der Produktion wieder herstellen auf dem niedrigeren Niveau der Nominallöhne entsprechend (sagen wir) dem Preisniveau vor dem Krieg, wären unsere Probleme nicht gelöst. Denn seit 1914 wurde eine gewaltige Last von Schulden aufgenommen, sowohl national wie international, die in Geldsummen festgesetzt ist. Daher lässt jeder Fall der Preise diese Schuldenlast steigen, weil sie den Wert des Geldes steigen lässt, in dem sie festgelegt ist. Wenn wir beispielsweise auf das Niveau der Preise vor dem Krieg zurück kommen wollten, würden die britischen Staatsschulden um 40 Prozent höher als 1924 und doppelt so hoch als 1920 sein; der Young Plan würde weit schwerer auf Deutschland lasten als der Dawes-Plan, zu dem man sich darauf geeinigt hat, dass er nicht erfüllt werden konnte; die Verschuldung gegenüber den Vereinigten Staaten durch deren Verbündete im Großen Krieg würde 40-50 Prozent mehr an Gütern und Dienstleistungen entsprechen als zu dem Datum, als die Vereinbarungen getroffen wurden; die Verpflichtungen von Schuldnerstaaten wie denen von Südamerika und Australien würden unerfüllbar werden ohne eine Verringerung ihres Lebensstandards zum Wohl ihrer Kreditgeber; Landwirtschaft und Haushalte quer durch die Welt, die Hypotheken aufgenommen haben, würden sich als das Opfer ihrer Gläubiger erleben. In einer solchen Lage muss es zweifelhaft sein, ob die nötigen Anpassungen noch zur rechten Zeit vorgenommen werden können, um eine Serie von Bankrotten, Säumnissen bei der Zahlung und Zahlungsverweigerungen zu verhindern, welche die kapitalistische Ordnung bis auf ihre Grundmauern erschüttern würden. Dies würde ein fruchtbarer Boden für Agitation, Aufruhr und Revolution.

 

Moreover, even if we were to succeed eventually in re-establishing output at the lower level of money-wages appropriate to (say) the pre-war level of prices, our troubles would not be at an end. For since 1914 an immense burden of bonded debt, both national and international, has been contracted, which is fixed in terms of money. Thus every fall of prices increases the burden of this debt, because it increases the value of the money in which it is fixed. For example, if we were to settle down to the pre-war level of prices, the British National Debt would be nearly 40 per cent greater than it was in 1924 and double what it was in 1920; the Young Plan would weigh on Germany much more heavily than the Dawes Plan, which it was agreed she could not support; the indebtedness to the United States of her associates in the Great War would represent 40-50 per cent more goods and services than at the date when the settlements were made; the obligations of such debtor countries as those of South America and Australia would become insupportable without a reduction of their standard of life for the benefit of their creditors; agriculturists and householders throughout the world, who have borrowed on mortgage, would find themselves the victims of their creditors. In such a situation it must be doubtful whether the necessary adjustments could be made in time to prevent a series of bankruptcies, defaults, and repudiations which would shake the capitalist order to its foundations. Here would be a fertile soil for agitation, seditions, and revolution.

Keynes, »The Great Slump of 1930« (1930), Essays, S. 138f.


Keynes appellierte an die Zentralbanken, deren entschlossenes Handeln die Krise sofort beenden könnte (auch wenn das breite Publikum dies nicht ahnte und um die Zusammenhänge nicht wissen konnte):

 

Aber niemand kann den ersten Schritt tun außer den Verantwortlichen der Zentralbanken der wichtigsten Gläubigerstaaten; noch kann irgendeine Zentralbank isoliert genug unternehmen. Entschlossenes Handeln durch die Federal Reserve Banks der Vereinigten Staaten, die Bank von Frankreich und die Bank von England würde mehr bewirken, als die meisten Bürger bereitwillig glauben werden, welche die Symptome oder häufigen Begleiterscheinungen mit der Krankheit selbst verwechseln.

 

But no one can take the first step except the central banking authorities of the chief creditor countries; nor can any one Central Bank do enough acting in isolation. Resolute action by the Federal Reserve Banks of the United States, the Bank of France, and the Bank of England might do much more than most people, mistaking symptoms or aggravating circumstances for the disease itself, will readily beliefe.

Keynes, »The Great Slump of 1930« (1930), Essays, S. 146.


Im Jahr 1931 beschreibt Keynes in einer Radiosendung das ganze Elend der von dieser Deflationspolitik ausgelösten Not auf der Erde:

 

In den drei wichtigsten Industriestaaten der Welt, Großbritannien, Deutschland und den Vereinigten Staaten, schätze ich, dass vermutlich 12.000.000 Industriearbeiter freigesetzt sind. Aber ich bin mir nicht sicher ob heute nicht noch mehr menschliches Elend in den großen landwirtschaftlichen Staaten herrscht – Kanada, Australien und Südamerika, wo sich Millionen kleiner Farmer ruiniert sehen durch den Fall der Preise für ihre Erzeugnisse, so dass ihre Erlöse nach der Ernte ihnen viel weniger einbringen, als sie die Feldfrüchte zu produzieren gekostet hat. Denn der Fall in den Preisen der großen Hauptprodukte der Welt wie Weizen, Wolle, Zucker, Baumwolle und natürlich noch vieler anderer Waren war einfach katastrophal. Die meisten dieser Preise sind nun unter ihrem Vorkriegsstand; jedoch die Kosten, wie wir alle wissen, bleiben weit über ihrem Vorkriegsstand. Vor einer oder zwei Wochen, so wurde berichtet, wurde Weizen in Liverpool zum niedrigsten Preis verkauft, der jemals aufgezeichnet wurde seit der Zeit von Charles II. vor über 250 Jahren. Wie ist es möglich für Farmer, unter solchen Bedingungen zu leben? Natürlich ist es unmöglich.

 

In the three chief industrial countries of the world, Great Britain, Germany, and the United States, I estimate that probably 12,000,000 industrial workers stand idle. But I am not sure that there is not even more human misery to-day in the great agricultural countries of the world – Canada, Australia, and South America, where millions of small farmers see themselves ruined by the fall in the prices of their products, so that their receipts after harvest bring them in much less than the crops have cost them to produce. For the fall in the prices of the great staple products of the world such as wheat, wool, sugar, cotton, and indeed most other commodities has been simply catastrophic. Most of these prices are now below their pre-war level; yet costs, as we all know, remain far above their pre-war level. A week or two ago, it is said, wheat in Liverpool sold at the lowest price recorded since the reign of Charles II. More than 250 years ago. How is it possible for farmers to live in such conditions? Of course it is impossible.

Keynes, »Saving and Spending« (Jan. 1931, A Broadcast Address), Essays, S. 148f.


Gegen den inzwischen aufgekommenen Verdacht, dass die Große Depression die Folge einer Bankiersverschwörung sei, behauptete Keynes, dass die Bankiers blind und ihre Ökonomen Dummköpfe wären:

 

Banken und Bankiers sind von Natur aus blind. Sie haben nicht gesehen, was sich ereignen würde. Einige von ihnen haben ihn sogar begrüßt, den Fall der Preise auf den Stand von vor dem Krieg, den sie in ihrer Unschuld als das gerechte und »natürliche« und unvermeidbare Niveau erachteten, um es so zu sagen, das Niveau der Preise, an das ihre Geister in ihren prägenden Jahren gewöhnt wurden. In den Vereinigten Staaten beschäftigen einige von ihnen sogenannte »Ökonomen«, die uns sogar noch heute erzählen, dass unsere Probleme aus der Tatsache folgen, dass die Preise einiger Güter und Dienste immer noch nicht weit genug gefallen wären, unbekümmert um den offensichtlichen Umstand, dass ihr Rezept, wenn es angewandt werden könnte, eine Gefahr für die Zahlungsfähigkeit ihres Instituts wäre.

 

Banks and bankers are by nature blind. They have not seen, what was coming. Some of them have even welcomed the fall of prices towards what, in their innocence, they have deemed the just and »natural« and inevitable level of pre-war, that is to say, to the level of prices to which their minds became accustomed in their formative years. In the United States some of them employ so-called »economists« who tell us even to-day that our troubles are due to the fact that the prices of some commodities and some services have not yet fallen enough, regardless of what should be the obvious fact that their cure, if it could be realised, would be a menace to the solvency of their institution.

(Keynes, »The Consequences to the Banks of the Collapse of Money Values« (Aug. 1931), Essays, S. 176).


 

Ralph G. Hawtrey kritisiert die Bank von England

 

Ralph George Hawtrey - einer der zu Unrecht vergessenen Ökonomen - war ein Freund von John Maynard Keynes und von 1904-45 ein führender Mitarbeiter des britischen Schatzamts. Er machte die restriktive Geldpolitik vor allem der Bank von England für die Große Depression verantwortlich, wie die folgenden Zitate (zuerst meine Übersetzung, dann das Original) belegen:


Als der Einbruch kam im Oktober 1929, wurde die Bankrate gesenkt. Aber sie ging nicht herunter auf 5 Prozent bis Dezember, noch unter 5 Prozent bis Februar 1930. Die Rate von 3½ Prozent, die man als den Beginn von »billigem Geld« ansehen mag, wurde nicht vor dem 20. März erreicht, zwanzig Wochen nach der ersten Senkung von den 6½ Prozent zuvor.

Eine so lange Verzögerung steht in auffallendem Kontrast zu den schnellen Wechseln von knappem Geld zu billigem Geld, die für fast ein halbes Jahrhundert vor dem Krieg praktiziert worden waren. Als die Bankrate auf 3 Prozent gesunken war, im May 1930, hatte die Depression ihren ausschlaggebenden und schrecklichen Einfluss nicht nur auf England, sondern auf die ganze Welt.

 

When the break came in October, 1929, bank rate was reduced. But it did not get down to 5 per cent. till December, nor below 5 per cent. till February, 1930. The rate of 3½ per cent. which may be regarded as the beginning of «cheap money” was not reached till the 20th March, twenty weeks after the first reduction from 6½ per cent.

So long a delay is in conspicuous contrast with the prompt transitions from dear money to cheap money that had been practiced for nearly half a century before the war. By the time bank rate came down to 3 per cent. In May, 1930, the depression had gained a decisive and terrible hold not only upon England but upon the entire world.


Hawtrey, Trade Depression and the Way Out, London 1933, S. 27

 

Sobald die Geldpolitik die Depression und vor allem die Deflation der Preise verursacht hatte, brauchte die Geldpolitik nicht länger sichtbar restriktiv zu bleiben. Man konnte vor dem Publikum auf die doch niedrigen Zinsen verweisen, weil die fallenden Preise die niedrigen Nominalzinsen zu völlig überhöhte Realzinsen werden ließen.

 

Sobald die Depression die Welt im Griff hatte, brauchte es wenig unterstützende Taten, um ihren verheerenden Fortschritt zu sichern. Es mag einen gewaltigen Kampf brauchen, einen Mann in einen Teich zu werfen, jedoch sobald er darin ist, mag es ganz einfach sein, ihn jedesmal mit einem Stab zurückzustoßen, wenn er versucht herauszuklettern.  

 

The depression once securely fastened on the world, little positive action was required to maintain its disastrous progress. It may require a violent struggle to throw a man into a pond, and yet, once he is in, it may be quite easy to push him back with a pole every time he tries to climb out.


Hawtrey, »Trade Depression«, London 1933, S. 36. 

 

Hawtrey hat ganz deutlich darauf verwiesen, dass es keine aktuelle Inflation am Ende der 20er Jahre zu korrigieren gab. Die Inflation, die mit der Geldpolitik korrigiert werden sollte, war ja die über ein Jahrzehnt zurückliegende Inflation der Kriegsjahre gewesen:

 

Wenn wir eine Erklärung für die beispiellose Schwere der Depression suchen, werden wir sie vor allem in der Tatsache finden, dass die Krediteinschränkung von 1928-29 zu einer Zeit aufgebürdet wurde, als es keine Inflation zu korrigieren gab. Vergleichbar drastischen Krediteinschränkungen war die Welt bei verschiedenen Gelegenheiten in der Vergangenheit ausgesetzt gewesen, aber nur in Zeiten, in denen Kreditexpansion über Jahre Auftrieb gewonnen hatte und außer Kontrolle zu geraten drohte wie in 1906-7, in 1872-73, in1856-57 und, am deutlichsten sichtbar von allen, in 1920. Im Jahr 1929 war keine Inflation. Die Industrieproduktion hatte ein Maximum erreicht in den USA, aber die Preise waren nicht gestiegen und waren tatsächlich seit 1925 kräftig gefallen. Profite waren hoch und der resultierende, sensationelle Anstieg der Börsenkurse hatte zu einer Angst vor Inflation geführt und den Vorwand für die Krediteinschränkung unterstützt. Aber Inflation kann nur auf den Gütermärkten wirken. Ein Anstieg der Preise von Wertpapieren und Beteiligungen ist an sich kein Anlass für eine überzogene Güternachfrage. 

 

If we seek an explanation of the unparalleled severity of the depression, we shall find it primarily in the fact, that the credit restriction of 1928-29 was imposed at a time when there was no inflation to be corrected. Equally drastic credit restrictions had been imposed on the world on various occasions in the past, but only at times when credit expansion had been gaining impetus for years, and was threatening to get out of hand, as in 1906-7, in 1872-73, in 1856-57, and, most conspicuously of all, in 1920. In 1929 there was no inflation. Industrial activity hat attained a maximum in the United States, but prices had not been rising, and had indeed fallen substantially since 1925. Profits were high, and the resulting sensational rise in prices of stocks and shares had induced a fear of inflation, and supplied the pretext for the credit restriction. But inflation can only take effect in the commodity markets. A rise in prices of stocks and shares does nothing in itself to cause an excessive demand for commodities.


Hawtrey, »Trade Depression«, S. 34f.

 

 

 

Irving Fisher: "The Debt-Deflation Theory of Great Depressions" 1933

Jede Depression kann beendet oder von vornherein verhindert werden, wenn die Geldpolitik das Preisniveau über dem Level stabilisiert, auf dem die Verschuldung zwischen den Gläubigern und ihren Schuldnern vereinbart wurde:

 

38. On the other hand, if the foregoing analysis is correct, it is always
economically possible to stop or prevent such a depression simply
by reflating the price level up to the average level at which outstanding
debts were contracted by existing debtors and assumed by
existing creditors, and then maintaining that level unchanged.

"The Debt-Deflation Theory of Great Depressions", Econometrica, S. 346 (PDF)

 

 

Präsident Hoover über die Drahtzieher der Krise

Hoover war selbstverständlich nicht so dumm, dass er zum ahnungslosen Opfer der falschen Ratschläge seines Finanzministers Andrew William Mellon (wie üblich wieder ein „Philanthrop“, also aus den Familien der Räuberbarone und US-Gangsterkapitalisten) geworden wäre.

 

The »leave-it-alone liquidationists« headed by Secretary of the Treasury Mellon … felt that government must keep its hands off and let the slump liquidate itself. Mr. Mellon had only one formula: »Liquidate labour, liquidate stocks, liquidate the farmers, liquidate real estate« … He held that even panic was not altogether a bad thing. He said: »It will purge the rottenness out of the system. High costs of living and high living will come down. People will work harder, live a more moral life. Values will be adjusted, and enterprising people will pick up the wrecks from less competent people«.

Hoover, Memoirs, Band 3, New York 1952, S. 30.


Meine Übersetzung:


Die »Hände-weg Liquidationisten«, geführt von Finanzminister Mellon, … glaubten, dass die Regierung ihre Hände heraus halten und die Krise sich selber liquidieren lassen soll. Mr. Mellon hatte nur eine Redewendung: »Liquidiert Arbeit, liquidiert Wertpapiere, liquidiert die Farmer, liquidiert Immobilien« … Er glaubte, dass selbst Panik nicht unbedingt eine schlechte Sache war. Er sagte: »Es wird die Fäulnis aus dem System waschen. Hohe Kosten für die Lebenshaltung und hohe Lebensstandards werden herunter kommen. Leute werden härter arbeiten, ein moralischeres Leben führen. Werte werden gesetzt und unternehmende Leute werden aufsammeln, was die weniger fähigen Leuten zurück lassen«.

 

Der Auszug aus Hoovers Memoiren zeigt aber sehr gut, wie die Bankiers und Gangsterkapitalisten in den USA die Krise als Instrument zur Lohn- und Preissenkung, für ihre Spekulationen in Wertpapieren und Immobilien, vor allem aber zu Disziplinierung der Arbeiter sahen. 

 

 

Frederick Soddy

Frederick Soddy (1877-1956) erhielt 1921 den Nobelpreis für Chemie. Er beschäftigte sich auch mit Banken und Wirtschaft. Seine Einsichten zum Geldsystem und den Verursachern der Krisen wurden mit Nichtbeachtung gestraft.

 

In dem schon 1934 veröffentlichten Buch über die Rolle des Geldes in der Wirtschaft hat Soddy die inflationierenden Folgen der Kreditschöpfung und die deflationären Folgen des Goldstandards völlig zutreffend beschrieben:

 

Viewed from the standpoint of a single selfcontained community, the gold-standard involves an almost self-evident contradiction. It is a system in which money was supposed to have been kept of constant value with reference to gold and in which the manner of issuing new money was such that it necessarily reduces in proportion the value of the rest. For since there are no more goods and services on sale than before the issue, what is on sale is divided among more money units, so that each becomes worth proportionally less, and the new issue merely dilutes the value of the old. In practice, this fundamental contradiction resolved itself into its two parts or phases the inflationary period when the price-level was being forced up by new issues, and the deflationary period when it was being forced down again by the destruction of money.

FREDERICK SODDY, THE ROLE OF MONEY, London 1934. S. 116f


Das Buch von Soddy lässt sich im Internet finden. Er kritisiert da speziell die Internationalen Bankiers, die nach seiner Überzeugung mit expansiver Kreditpolitik Boom und Inflation erzeugen oder mit restriktiver Geldpolitik und anderen Tricks ganz nach ihren Interessen und Wünschen die ganze Weltwirtschaft oder gezielt einzelne Länder in schwere Krisen bis zur Verelendung treiben können:


But in this sordid game the international banker soon learned that he had the whip-hand, and could absolutely control the situation and force the internal bankers to follow his lead. For by lending at any time to a country under circumstances which make it more profitable for that country to take the loan not in the form of goods but in gold, with which to buy in a third country what the loan is really required for, he could drain the gold out of each country in turn. So he could enforce deflation and a break of prices leading to prolonged economic depression there, until its workers were reduced to a more humble and less independent frame of mind. The gold-standard became not so much a device for forcing back, after inflation, the monies of all countries adopting it, and for maintaining their constant relative exchange value, as one for forcing down wages and prices in all countries to the level of the poorest and most backward.

THE ROLE OF MONEY, S. 119f

 

 

J. Bradford DeLong über die Liquidationisten und Deflationisten

Der Österreicher Joseph Schumpeter war in Harvard ein Propagandist des Deflationismus und behauptete, dass die Politik die Krise ihr für die Zukunft produktives Werk tun lassen sollte. Schumpeter hatte für seine Theorie der „schöpferischen Zerstörung“ den Lehrstuhl in Harvard erhalten:

 

For example, from Harvard Joseph Schumpeter argued that there was a "presumption against remedial measures which work through money and credit. Policies of this class are particularly apt to produce additional trouble for the future." From Schumpeter's perspective, "depressions are not simply evils, which we might attempt to suppress, but forms of something which has to be done, namely, adjustment to change." This socially productive function of depressions creates "the chief difficulty" faced by economic policy makers. For "most of what would be effective in remedying a depression would be equally effective in preventing this adjustment."

J. Bradford DeLong

 

Die Wortführer der Austrian Economics, Hayek und Mises, verbreiteten die These, dass Krisen die wichtige Funktion hätten, die Fehlinvestitionen der Vergangenheit zu beseitigen, damit in Zukunft ausreichend Kapital und Arbeitskräfte für bessere Investitionen zur Verfügung stünden:

 

Hayek and company believed that enterprises are gambles which sometimes fail: a future comes to pass in which certain investments should not have been made. The best that can be done in such circumstances is to shut down those production processes that turned out to have been based on assumptions about future demands that did not come to pass. The liquidation of such investments and businesses releases factors of production from unprofitable uses; they can then be redeployed in other sectors of the technologically dynamic economy. Without the initial liquidation the redeployment cannot take place. And, said Hayek, depressions are this process of liquidation and preparation for the redeployment of resources.


Schumpeter und Konsorten warnten vor inflationistischen Maßnahmen zur Überwindung der deflationären Depression. Eine Erholung der Wirtschaft aus der Krise sei nur dann gesund, wenn sie von selber käme:

 

As Schumpeter put it, policy does not allow a choice between depression and no depression, but between depression now and a worse depression later: "inflation pushed far enough [would] undoubtedly turn depression into the sham prosperity so familiar from European postwar experience, [and]... would, in the end, lead to a collapse worse than the one it was called in to remedy." For "recovery is sound only if it does come of itself. For any revival which is merely due to artificial stimulus leaves part of the work of depressions undone and adds, to an undigested remnant of maladjustment, new maladjustment of its own which has to be liquidated in turn, thus threatening business with another [worse] crisis ahead."


Wir haben hier also den klaren Beweis, dass die führenden Ökonomen die Große Depression ausdrücklich für eine “gute Medizin” hielten und den in Not und Elend gestürzten Menschen bewusst nicht helfen wollten, weil die Ökonomen mit wenigen Ausnahmen wie Hawtrey und Keynes die großen Verheerungen der Krise begrüßten. So dumm können die VWL-Professoren aber auch damals schon nicht gewesen sein, sondern es ging - abgesehen von den Interessen der Rentiers und Spekulanten – um die Disziplinierung der lohnabhängigen Arbeiter. Die Krise sollte die Arbeiterklasse wieder das Arbeiten für Hungerlohn lehren und das ist typischer Klassenkampf von oben, nicht theoretische Verblendung:

 

This doctrine--that in the long run the Great Depression would turn out to have been "good medicine" for the economy, and that proponents of stimulative policies were shortsighted enemies of the public welfare--drew anguished cries of dissent from those less hindered by their theoretical blinders. British economist Ralph Hawtrey scorned those who, like Robbins and Hayek, wrote at the nadir of the Great Depression that the greatest danger the economy faced was inflation. It was, Hawtrey said, the equivalent of "Crying, 'Fire! Fire!' in Noah's flood."


Schließlich rebellierten an den angloamerikanischen Universitäten die jungen Studenten gegen ihre Professoren und die Ideen von Keynes und des New Deal setzten sich politisch durch:

 

John Maynard Keynes also tried to bury the liquidationists in ridicule. Later on Milton Friedman would recall that at the Chicago where he went to graduate school such dangerous nonsense was not taught--but that he understood why at Harvard-where such nonsense was taught-bright young economists might rebel, reject their teachers' macroeconomics, and become followers of Keynes. Friedman thought that Keynesianism was wrong--but not crazy.

 


Ludwig von Mises über die Ursache der Großen Depression

 

Selbstverständlich wusste Mises, dass die Große Depression Deflationspolitik gewesen ist, mit der die Wiederherstellung des Geldwertes der Vorkriegszeit versucht wurde:

 

Man hat in England nach den napoleonischen Kriegen und dann wieder nach dem Weltkrieg die entwertete Währung auf die Goldparität der Vorkriegszeit zurückgeführt, weil man die andere Alternative - die Stabilisierung der Währung auf dem der augenblicklichen Goldagiogestaltung entsprechenden Stande - für eine Art Staatsbankerott und für ungerechtfertigte Schädigung aller jener hielt, die aus der Zeit des höheren Geldwerts stammende Forderungen hatten. Das Geldwesen war nun einmal durch die Inflation zerrüttet und die Grundlage aller Kreditgeschäfte war erschüttert; man sah in der Wiederherstellung des alten Geldwertes den besten Ausweg aus einer verfahrenen Lage. Dass man damit das alte Unrecht nicht immer gutmachte, weil die, deren Forderungen in der Zwischenzeit in entwertetem Geld zurückgezahlt worden waren, und die, die ihre Forderungen mittlerweile abgetreten hatten, keine Entschädigung erhielten, und dass man neues Unrecht durch Aufwertung der in schlechterem Geld abgeschlossenen Darlehen schuf, wurde nicht beachtet. Es wäre nicht zutreffend, da von einem Eingriff zu Gunsten der Gläubiger und zu Lasten der Schuldner zu sprechen. Was geschah, war ein Versuch, die Folgen eines vorangegangenen Eingriffs zu beheben und eine für schlecht erachtete Währungspolitik zu liquidieren. Man wusste nicht, wie man das beabsichtigte Ziel ohne die Benachteiligung der Schuldner erreichen könnte, und so glaubte man, diese mit in Kauf nehmen zu müssen.

Ludwig von Mises, Nationalökonomie, 1940, S. 683

 

Er hat sich natürlich so unverständlich ausgedrückt, dass es nur der Leser versteht, der es schon längst weiß.

 

 

Karl Marx über die Krisen und das Bankensystem

 

Die Anhänger des Marxismus stellen bis heute - die Geldpolitik ist bei ihnen kein Thema - die Krisen als unvermeidbare Krisen des Kapitalismus dar. Diese wären die Folgen des tendenziellen Falls der Profitrate und des kapitalistischen Systems, in dem die Produzenten, die Lohnarbeiter, nicht die Eigentümer der von ihnen produzierten Güter sind.

 

Karl Marx hat selbstverständlich die Hintergründe der Krisen besser gekannt, sich aber nur einmal darüber deutlich ausgelassen:

 

Das Kreditsystem, das seinen Mittelpunkt hat in den angeblichen Nationalbanken und den großen Geldverleihern und Wucherern um sie herum, ist eine enorme Zentralisation und gibt dieser Parasitenklasse eine fabelhafte Macht, nicht nur die industriellen Kapitalisten periodisch zu dezimieren, sondern auf die gefährlichste Weise in die wirkliche Produktion einzugreifen - und diese Bande weiß nichts von der Produktion und hat nichts mit ihr zu tun. Die Akte von 1844 und 1845 sind Beweise der wachsenden Macht dieser Banditen, an die sich die Finanziers und stock-jobbers anschließen.

(Karl Marx, Kapital III, Berlin 1983, Kap. 33, S. 560)

 

Die ungeheure Macht dieser Banditen erleben wir heute auch und gerade bei unseren sogenannten Marxisten. Nach bald 40 Jahren geldpolitisch verursachter Krisen, dadurch steigender Profite für das Kapital und wachsender prekärer Arbeits- und Lebensverhältnisse für die lohnabhängigen Arbeiter, weigern sich die Marxisten noch immer, sich mit der Geldpolitik überhaupt zu befassen und diese zu kritiseren. Stattdessen wollen sie die "Wertform analysieren" und wichtigtuerisch über den "Geldfetisch" labern.

 

Franklin Delano Roosevelt


For twelve years this Nation was afflicted with hear-nothing, see-nothing, do-nothing Government. The Nation looked to Government but the Government looked away. Nine mocking years with the golden calf and three long years of the scourge! Nine crazy years at the ticker and three long years in the breadlines! Nine mad years of mirage and three long years of despair! Powerful influences strive today to restore that kind of government with its doctrine that that Government is best which is most indifferent.


For nearly four years you have had an Administration which instead of twirling its thumbs has rolled up its sleeves. We will keep our sleeves rolled up.


We had to struggle with the old enemies of peace—business and financial monopoly, speculation, reckless banking, class antagonism, sectionalism, war profiteering.


They had begun to consider the Government of the United States as a mere appendage to their own affairs. We know now that Government by organized money is just as dangerous as Government by organized mob.

 

Speech at Madison Square Garden (October 31, 1936)

 

Was wusste die breite Bevölkerung?

Was man in all der vielen "wissenschaftlichen" Literatur über die Weltwirtschaftskrise nicht lesen wird, war der einfachen und breiten Bevölkerung in aller Welt völlig klar bewusst. Aus dem Brief eines Farmers an Roosevelt:

 

I am a farmer … Last spring I thought you really intended to do something for this country. Now I have given it all up. Henceforward I am swearing eternal vengeance on the financial barons and will do every single thing I can to bring about communism.

An Indiana Farmer to Franklin D. Roosevelt, October 16, 1933

David M. Kennedy, Freedom from Fear: The American People in Depression and War, 1929-1945, Seite 190

 

Alexander Del Mar

 

Ein vergessener Autor:

 

Alexander del Mar (1836–1926) was an American political economist, historian, numismatist and author. He was an organizer and director of the U.S. Bureau of Statistics in 1866-69.


Vermutlich waren seine Bücher zu gut und man hat ihn deshalb vergessen. Selber habe ich ihn gerade entdeckt und werde mir seine Werke demnächst näher ansehen. Die meisten Bücher sind jetzt gerade neu aufgelegt worden von Verlagen, die sich auf solche vergessenen Werke spezialisiert haben.

 

Alexander Del Mar über die Bekämpfung der Inflation:

 

On the other hand, the interests of Labour forbid the consideration of any policy designed to diminish the Measure of Value. We may with justice oppose further inflation, we may put an end to those mischievous agencies which tamper with the Measure of Value; but we can never dare, we should never wish, to contract it, nor permit it to contract; for, as history abundantly testifies, a contraction of money, when production is increasing and commerce expanding, means the arrest of one and the extermination of the other. And it is, perhaps, the conviction of these consequences, crudely formed in the popular mind, which lies at the basis of the many illiterate plans and ill-adviced clamours for inflation, which, both in Europe and America, mark the financial and political measures of recent years.

A History of Money in Ancient Countries (Preface X)


Es geht um die Bekämpfung der Inflation durch eine Politik des knappen Geldes und deren Auswirkungen auf die davon betroffenen Arbeiter, die damit ihre Jobs verlieren und sich und ihre Familien nicht mehr ernähren können. Auch die heute bestehende Massenarbeitslosigkeit in den USA und Europa wurde absichtlich mit restriktiver Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung erzeugt und bewirkt sinkende Löhne und Preise, also Geldwertstabilität im Interesse aller Rentiers und Kuponschneider.

 

Weil der Text oben etwas schwierig ist, hier noch meine Übersetzung:

 

Andererseits verbietet das Interesse der Arbeiter jeden Plan, das Wertmaß(Geld) zu verknappen. Wir mögen uns mit Recht jeder weiteren Inflation widersetzen, wir können jenen schädlichen Einrichtungen ein Ende setzen, die den Geldwert manipulieren; aber wir dürfen es nie wagen, sollten niemals wünschen, ihn zu senken oder sein Sinken zulassen; denn, wie die Geschichte vollauf beweist, eine Verknappung des Geldes, während die Produktion steigt und der Handel wächst, bedeutet einerseits Beschränkung und andererseits Auslöschung. Und es ist vermutlich das Wissen um diese Folgen, in roher Form im breiten Bewusstsein, das all den vielen ungebildeten Plänen und falsch beratenen Forderungen nach Inflation zugrunde liegt, die, in Europa wie in Amerika, die finanziellen und politischen Botschaften der vergangenen Jahre kennzeichneten.

 

Er hat die Große Depression nicht mehr erleben müssen, die absichtlich durch restriktive Geldpolitik betrieben wurde, um den Goldstandard zu den Paritäten von 1913 nach dem Ersten Weltkrieg wieder durchzusetzen. Wikipedia:


Del Mar was a rigorous historian who made important contributions to the history of money. He was distinctly hostile to a central monetary role for gold as a commodity money. He believed strongly in the legal function of money. Del Mar has dedicated practically his whole lifetime to original research in the great libraries and coin collections of Europe on the subject of the history on money and finance. Alexander Del Mar died in 1926 at the age of ninety.

 

Thomas M. Humphrey: Classical Deflation Theory

 

Hier noch ein Text der Richmond-FED, in dem die Deflationspolitik und das Wissen der klassischen Ökonomen über dieses Thema offen angesprochen ist. Einige kurze Auszüge - ich empfehle, unbedingt den kompletten Text aus dem Jahr 2004 zu lesen:

 

Generally, classicals wrote during or following periods of wartime inflation under inconvertible paper currencies. At such times the government had committed itself to return to gold convertibility at the pre-war parity. Such restoration, of course, meant that the price of gold, goods, and foreign exchange—all of which had risen roughly in the same proportion during the war—had to fall to their pre-inflation levels. Achieving these price falls, however, required contractions of the money stock and so the level of aggregate nominal spending. Owing to the above-mentioned temporary rigidities in either final product prices or nominal costs of production, these falls in spending would depress output and employment first before they lowered costs and/or prices. With prices sticky, falling expenditure would show up in reductions in the quantity of goods sold. Unsold goods, the difference between production and sales, would pile up in inventories, thus inducing producers to cut back output and lay off workers.

T. M. Humphrey: Classical Deflation Theory (pdf)

 

Es ist also bekannt, dass Deflationspolitik eine verheerende Auswirkung auf Konjunktur, Produktion und Beschäftigung hat.

 

Most famously, deflationary fears became reality in the 1929–1933 Great Contraction in the United States when prices fell by a fourth while output was falling by two-fifths.


Selbstverständlich weiß man nicht erst seit heute, sondern - wie der oben zitierte Alexander del Mar beweist – schon seit jeher, dass jede Deflationspolitik die Konjunktur einbrechen lässt und die Produktion noch mehr sinken lässt als die Preise.

 

Die klassische Literatur hat im Gegensatz zu den Neoklassikern den Schaden der Deflationspolitik ausführlich behandelt. Allerdings ist genau dieses Thema dann von den Neoklassikern unterdrückt worden.

 

This article is an attempt to repair this deficiency. It shows that the speculations of six leading classical monetary theorists—namely David Hume, Pehr Niclas Christiernin, Henry Thornton, David Ricardo, Thomas Attwood, and Robert Torrens—constitute a rich and coherent body of deflation theory, the constituent components of which survive today even as they are often wrongly attributed to neoclassical writers.


1. DAVID HUME (1711–1776):


In his 1752 essay, “Of Money,” Hume stresses the inertia of sluggish prices as the channel through which deflationary monetary contraction temporarily reduces output and employment.


2. PEHR NICLAS CHRISTIERNIN (1725–1799):


In his 1761 Lectures on the High Price of Foreign Exchange in Sweden he argued that the best policy was to forgive the inflation that already had occurred and to stabilize prices at their prevailing, post-inflation level. The level of prices did not matter for real variables as much as changes in the level. Decisionmakers could get used to any price level, provided it was constant. They could not, however, tolerate the risks associated with deviations from that level. It followed that under no circumstances should prices be deflated.


3. HENRY THORNTON (1760–1815):


Thornton concludes that deflation is the wrong way to spur exports and check imports and thus to remedy real-shock-induced deficits in the balance of payments. Deflation is ill-advised because “To inflict such a pressure on the mercantile world as necessarily causes an intermission of manufacturing labour is obviously not the way to increase that exportable produce, by the excess of which, above the imported articles, gold is to be brought into the country” (118). Better to ride out the real disturbances with unchanged, or even increased, issues of paper money until the disturbances correct themselves.


4. DAVID RICARDO (1772–1823):


Seine Einsicht kam allerdings zu spät und die mörderische Deflationspolitik nach den napoleonischen Kriegen war auf seinen ursprünglichen Rat hin schon mit ihren verheerenden Folgen durchgezogen worden:

 

As he wrote in a September 1821 letter to John Wheatley, “I never should advise a government to restore a currency, which was depreciated 30 percent, to par; I should recommend ... that the currency be fixed at the depreciated value by lowering the standard [i.e., raising the par], and that no further deviations take place. It was [a] currency ... within 5 percent [of par] and not with a currency depreciated 30 percent, that I advised a recurrence to the old standard” (Ricardo [1821] 1951, IX, 73–74).

Ricardo’s advice is of more than antiquarian interest. It speaks to today’s distinction between zero-inflation versus price-level targeting where the former allows for price drift and the latter does not.


5. THOMAS ATTWOOD (1783–1856):


Ricardo’s price-stabilizing objective was anathema to Attwood who, hailing from an area particularly hard hit by post-war depression, advocated full employment instead. “The first and most important duty for the Legislature to attend to,” he said, “is to take care that an ample demand for labour is restored and maintained throughout the country” (Attwood [1843] 1964, 17). By ample demand, he meant “a demand for labour . . . permanently greater than its supply” (17).


6. ROBERT TORRENS (1780–1864):


No survey of classical deflation theory would be complete without mention of Robert Torrens’s efforts to incorporate tariffs into the theory. Already in 1812 he had recommended raising the domestic tariff as a means of preventing price declines when restoring convertibility. Admitting that such a restriction on trade would be to sacrifice the advantages of international specialization and division of labor, he argued that the avoided costs of deflation outweighed the forfeited gains from free trade (Viner 1937, 207).


7. CONCLUSION:


If the classical writers surveyed in this essay are at all correct, then current concern over deflation is fully justified: For the essence of the classical doctrine is that there is every reason to spare the economy the adverse real effects of deflationary pressure. These effects, whether caused by lags of sticky prices behind money; or by lags of sluggish wages, interest, taxes, and other costs behind prices; or by rising real debt burdens and the resulting defaults and bankruptcies; or by cash hoarding in anticipation of future price declines; or to a combination of these and other causes, are likely to be painful in the extreme—especially so for deflations that are sharp, sudden, or sustained.


Da würde man sich doch wünschen, dass die Erkenntnisse der FED in den USA endlich auch von der herrschenden Volkswirtschaftslehre zur Kenntnis genommen würden. 

 

Der Streit um die Kreditschöpfung in Deutschland

Bei damaligen wirtschaftspolitischen Diskussionen in Deutschland ist immer zu beachten, dass wegen der Verträge über die Reparationszahlungen ein Ausscheiden Deutschlands aus dem Goldstandard als Vorbedingung für eine expansive Kreditschöpfung bis September 1931 nicht möglich war. Erst als England selbst den Goldstandard aufgab hätte Deutschland sich der britischen Abwertung des Pfundes anschließen können. Der Reichskanzler Brüning, der kurz vor dem Ersten Weltkrieg an der London School of Economics der Fabian Society Ökonomie studiert hatte (und nach allen Regeln der Geheimpolitik bei der Gelegenheit von dieser Seite als Agent angeworben wurde, was seine steile politische Karriere nach dem Krieg und 1939 seinen Lehrstuhl in Harvard erklären würde), lehnte dies jedoch ab und reagierte auf die Abwertung des Pfundes mit einer verschärften Deflationspolitik durch weitere Notverordnungen. Die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld wurde noch einmal weiter verkürzt, so dass ein bedeutender Teil der deutschen Arbeiter in die Suppenküchen und Parteiorganisationen von KPD und NSDAP getrieben wurde. Die SPD verteufelte unter dem Einfluss von Marxisten wie Rudolf Hilferding und Fritz Naphtali weiterhin jede Beschäftigungspolitik als inflationistisch und mit marxistischen Überzeugungen unvereinbar. Nur von den Gewerkschaften wurde mit dem WTB-Plan, benannt nach Wladimir Woytinsky, Fritz Tarnow und Fritz Baade, aktive Konjunkturpolitik propagiert. Der WTB-Plan wurde aber im Frühjahr 1932 von der SPD-Führung unter Otto Wels und Rudolf Breitscheid mit dem Argument abgelehnt, man solle nicht "Arzt am Krankenbett des Kapitalismus spielen".

 

Zu den frühen Anhängern einer Konjunkturbelebung durch expansive Geld- und Finanzpolitik zählten in Deutschland Robert Friedländer-Prechtl, Heinrich Dräger, Ernst Wagemann und ab September 1931 Wilhelm Lautenbach.

 

Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise war Hjalmar Schacht aus dem Amt des Reichsbankpräsidenten ausgeschieden und wurde im Frühjahr 1933 wieder von Hitler mit diesem Amt betraut. Hjalmar Schacht, der mindestens seit den 1920er Jahren durch die Reparationsverhandlungen in enger Verbindung mit den führenden angloamerikanischen Bankiers stand, verbreitete in seinem 1932 erschienenen Buch einen besonders saudummen Spruch, der aber für die Diskussionen der Deflationisten typisch ist: Es fehle der deutschen Wirtschaft nicht an Geld, sondern an Kapital; dieses müsse jedoch erst erarbeitet und erspart werden.

Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland

 

Der rasante Aufschwung der deutschen Wirtschaft ab 1933 könnte zu der Vermutung führen, dass Hitler und seine Parteigenossen vielleicht die Grundsätze der Geld- und Konjunkturpolitik und die Ursachen der Weltwirtschaftskrise verstanden hätten. Nachforschungen ergeben jedoch, dass davon keine Rede sein kann. Der Aufschwung der Wirtschaft in Deutschland von 1933 bis 1938 war aber tatsächlich durch eine richtige Wirtschaftspolitik und nicht durch eine außergewöhnliche Aufrüstung bedingt, wie immer wieder behauptet wird, da bis zum Jahr 1938 die deutschen Rüstungsausgaben verglichen mit England nicht auffallend höher waren.

 

Die rasche Ankurbelung der Konjunktur in Deutschland ist also eher darauf zurück zu führen, dass die Verantwortlichen des Regimes sich um ökonomische Ermahnungen zur Sparsamkeit wenig gekümmert haben, sondern einfach für alle wichtigen Aufgaben das erforderliche Geld bewilligten. Weil in einer Ökonomie alles ausgegebene Geld auch gleich wieder verdient wird, muss dabei nur beachtet werden, dass keine Defizite mit dem Ausland entstehen. Dazu wurde ein System für den Außenhandel eingeführt, bei dem alle Handelspartner, die Waren nach Deutschland liefern wollten, auch wieder deutsche Güter abzunehmen hatten.

 

So kam es also durch die Bedenkenlosigkeit der Politik zu einem rasanten Aufschwung, während in den USA im Jahr 1937 der geforderte Haushaltsausgleich einen neuerlichen Absturz in die Depression auslöste. Zur Schande von Keynes bleibt festzustellen, dass selbst er sich der unsinnigen Kampagne für einen Haushaltsausgleich in den USA angeschlossen hatte. In Deutschland konnte es zu einer solchen Sparkampagne nicht mehr kommen, weil die meisten Ökonomen dieser Denkrichtung bis 1937 längst emigriert und die Zeitungen in der Hand von Partei und Regierung waren. So war der New Deal 1937 an den Widerständen in den USA gescheitert und in Deutschland gab es in Friedenszeiten praktisch Vollbeschäftigung. Die Massenarbeitslosigkeit und der Widerstand gegen eine expansive Wirtschaftspolitik endeten in den USA erst mit Kriegsausbruch.

 

Die vollständige Ahnungslosigkeit der deutschen Regierung in Sachen Geldpolitik kann man aus der folgenden Geschichte über den Ökonomen Wilhelm Lautenbach ersehen:

 

... So war es denn auch ein denkwürdiger Augenblick, als dieser feuerköpfige Mann mit der Schärfe des Verstandes und der Zunge, der jede fachliche Unterredung mit seinem Temperament (und der Ausgereiftheit seiner Gedanken) beherrschte, im Frühsommer 1933 zu Hitler geschickt wurde, um ihm die Nationalökonomie der Krisenbekämpfung durch Kreditexpansion im amtlichen Auftrage klarzumachen. Man hat erfahren, daß diese Unterredung zu den seltenen gehört hat, in denen nicht Hitler, sondern der andere das Wort führte. Als Hitler einwandte, daß eine solche Kreditexpansion doch Inflation sei, erwiderte ihm Lautenbach: »Herr Hitler, Sie sind jetzt der mächtigste Mann in Deutschland. Nur eines können Sie nicht: Sie können unter den gegenwärtigen Umständen keine Inflation machen, soviel Sie sich auch anstrengen mögen.« Als Hitler zu bemerken wagte, daß immerhin die von ihm befragten Bankiers anderer Meinung seien, erhielt er prompt die Antwort: »Herr Hitler, Bankiers sind wie Hefebazillen. Wie diese Alkohol fabrizieren, ohne davon zu wissen, so die Bankiers Kredit, ohne sich darüber klar zu sein.«

Aus dem Vorwort von Wilhelm Röpke über Wilhelm Lautenbach, S. X, ZINS, KREDIT UND PRODUKTION von WILHELM LAUTENBACH, J.C.B. MOHR (PAUL SIEBECK) Tübingen 1952

 

Es waren also in Deutschland die zuständigen Leute in Forschungseinrichtungen und Ministerien, die Beamten, welche sich mit der Geldpolitik auskannten, die ab 1933 die Weichen für eine Belebung der Wirtschaft durch Kreditexpansion stellten. Deren wichtigster Vertreter, Wilhelm Lautenbach, Beamter im Reichswirtschaftsministerium in den 1930er Jahren, hat das dann unter allierter Herrschaft mit seinem frühen Tod 1948 durch Hunger und TBC bezahlt. Selbst ein Gottfried Feder war völlig ahnungslos hinsichtlich der Verursachung der Weltwirtschaftskrise und hat in seinen Schriften deren "eigentliche Ursache" mit dem üblichen Unsinn wie etwa dem technischen Wandel begründet; mit den übrigen Figuren braucht man sich da garnicht befassen, selbst Hitler hörte auf die Meinung der Bankiers.

 

Die expansive Geldpolitik in Deutschland wurde maßgeblich durch die Bank von England (BoE) unterstützt. Deren Gouverneur, Montagu Norman, war eng mit dem Präsidenten der deutschen Reichsbank, Hjalmar Schacht, verbunden. Montagu Norman gehörte mit Alexander Shaw, einem Direktionsmitglied der BoE, und Frank Cyril Tiarks, einem Direktor der BoE, zusammen mit sehr einflussreichen britischen Industriellen der pronazistischen Anglo-German Fellowship an. Montagu Norman hatte vor seiner Zeit bei der BoE begeistert als Freiwilliger am Krieg Englands gegen die Buren in Südafrika teilgenommen und dürfte seitdem ein wichtiger Mann im Netzwerk der Milner-Gruppe britischer Imperialisten gewesen sein; ein Agent der britischen Imperialpolitik also, der später wegen seiner politischen Haltung zum NS auch keine Probleme in England bekam.

 

Die Hintergründe der britischen Politik und ihrer Freundeskreise und Förderer des NS wurden von Guido Giacomo Preparata in Wer Hitler mächtig machte dargestellt (englisches Original: Conjuring Hitler: How Britain and America Made the Third Reich). Hitler hatte aus seiner Sicht durchaus sehr gute Gründe, naiv den Äußerungen der Bankiers zu vertrauen, vor allem der Bankiers der Bank von England, die wie fast alle Bankiers bis heute ihrem Publikum ständig mit angeblichen Inflationsgefahren in den Ohren liegen, auch oder gerade weil sie es selbstverständlich besser wissen.