Patriotismus und Landesverrat: Dichter, Singer, Fahnenschwinger

 

Es war Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha unter dessen Herrschaft und Protektorat Coburg um 1860 das Zentrum der in Vereinen organisierten deutschen Nationalbewegung wurde. Unter Ernsts Protektorat wurden im Juli 1860 in Coburg das Erste Deutsche Turn- und Jugendfest veranstaltet, womit er die Ausbreitung der bislang von Regierungsseite unterdrückten Turnbewegung ermöglichte, sowie im September die Erste Generalversammlung des unter seiner geistigen Gönnerschaft 1859 gegründeten Deutschen Nationalvereins. 1861 wurden in Gotha das 1. Deutsche Schützenfest durchgeführt und der Deutsche Schützenbund gegründet sowie 1862 in Coburg der Deutsche Sängerbund. Dem Deutschen Sängerfest gab er 1860 Raum zur freien Entfaltung. Sein Engagement für die Veranstaltungen der Gesang-, Turn- und Schützenvereine trug ihm den Spottnamen „Turner- und Schützenkönig“ ein.

 

Seine intensiven Bemühungen um eine bundesstaatliche Einheit der deutschen Länder unter preußischer Führung trugen ihm den Respekt König Wilhelms I. ein. Unmittelbar vor der Annahme des Kaisertitels im Spiegelsaal von Versailles zollte er Ernst II. vor allen anderen deutschen Fürsten öffentlich Anerkennung: „Ich vergesse nicht, daß ich die Hauptsache des heutigen Tages Deinen Bestrebungen mit zu danken habe.“ Das Bürgertum wurde bei seiner bürgerlichen Revolution, die zu den großen Nationalstaaten führte, erfolgreich von den alten Oligarchen geleitet, die dabei den ihnen lästigen kleinen Adel deklassieren konnten.

 

Mit der Gründung der Nationalstaaten sollte jedoch gerade nicht das Bürgertum die politische Macht erhalten, darum war es dringend, gegen den nach Freiheit strebenden bürgerlichen Geist etwas zu unternehmen. Das war die Aufgabe der Neugotik für die Architektur, sowie der Romantik, mit Schiller und Goethe für Bühne und Literatur und Richard Wagner für die Opernhäuser. Namen wie die der angeblichen Nibelungen passten dazu und wer Bescheid wusste, lächelte darüber. Selbstredend war auch das Nibelungenlied ein Fälschung, ein Johann Jakob Bodmer hatte in der Mitte des 18. Jahrhunderts für die "Wiederentdeckung" einiger (von ihm selber gefälschter) Handschriften durch seine Mitarbeiter in dafür geeigneten Bibliotheken gesorgt, wie das halt bei allen alten Schriften so üblich war.

 

Die Vernebelung des bürgerlichen Geistes

Das Bild rechts ist Der Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich und zeigt ganz deutlich den im Nebel herumirrenden Geist der braven Bürger im Zeitalter der sogenannten Romantik. Die Romantik kam aber nicht von selber über das Bürgertum, sondern war ein gezieltes Fabrikat der Oligarchen zur Verwirrung der Bürger, wie der Marxismus zur Verwirrung der Arbeiterbewegung.

 

In den jeweiligen Staaten haben nicht nur die eigenen Oligarchen an der Verwirrung des bürgerlichen Geistes mitgewirkt, sondern auch und manchmal vor allem die Feinde der anderen Staaten. Die Sabotage der Arbeiterbewegung durch den Marxismus habe ich beschrieben, über die Einflüsse der Oligarchie auf das Bürgertum hoffe ich ein vergleichbar grundlegendes Werk ebenfalls noch präsentieren zu können. 

 

Um einen Staat und sein Volk zu schwächen, sollte mit einem Haufen Geld und Agenten zuallererst auf seine Patrioten Einfluss genommen werden. Die Bürger müssen davon abgebracht werden, sich um echte Wissenschaft wie Physik und Chemie, um echte wirtschaftliche Fragen des Kreditwesens, des Rechts, der Landwirtschaft, des Handels und des Eigentums Gedanken zu machen und darüber zu kommunizieren. Statt Universitäten sollen Theater und Opernhäuser errichtet werden, in den Zeitungen sind nicht die großen Erfindungen und die neueste Technologie zu diskutieren und zu preisen, sondern die neuesten Romane, Gedichte, Gemälde, Theaterstücke, Konzerte und Opern und deren angeblich geniale Schöpfer. Die Kinder sollen in den Schulen Gedichte lernen und nicht wie die Kreditschöpfung die Konjunktur und den Wohlstand steuert.

 

Nachhaltiger als mit Bombern und Geschützen kann ein Land mit seinen Schriftstellern, Dichtern, Bänkelsängern, Komponisten, Malern, Schauspielern, Zeitungsschmierern und vor allem den patriotischen Vereinigungen, von den Studenten bis zu den Alten, mit Verbindungen und Parteien, zerstört werden. Genau so ist es geschehen. Wie bei der Arbeiterbewegung, die von den Regierungen, Bankiers und Großindustriellen mit Marx und Engels und deren Blödsinn von Kommunismus und der Diktatur des Proletariats sabotiert wurde, so kamen auch die Patrioten in Deutschland völlig unter die Kontrolle der Feinde von Staat und Volk.

Seitdem haben die Patrioten Goethe und Schiller im Kopf und Richard Wagner in ihren Ohren, wir sehen sie beschäftigt mit Dichten und Fahnenschwingen, mit Gesängen und großen Reden, mit Befehl und Gehorsam, mit dem Marschieren im Gleichschritt, dem Glauben an Christus und Fürst Bismarck, Staat, Regierung und Kirche. 

 

Die Feinde kennen sie gar nicht und wissen buchstäblich nichts von ihnen und wie gerade Land und Volk zugrunde gerichtet werden, während sie wieder gedankenschwere Debatten über Goethe und Schiller bis Ernst Jünger und Armin Mohler in ihren vaterländischen Akademien und Versammlungen austragen. Dass längst sie selber die größten Schädlinge und Werkzeuge ihrer Feinde geworden sind, kommt ihnen nie in den Sinn, wie den marxistischen Schwätzern der Arbeiterbewegung.

 

 

Neugotik auf den Hügeln und Wagneropern in den Herzen

Die Neugotik wird leicht missverstanden, weil die gotischen Kathedralen ja von zeitloser Schönheit und Wirkung sind. Ganz anders also als die ebenfalls im Stil der Neugotik geschaffenen Schlösser des 19.Jahrhunderts, die auf Bergspitzen liegend großartige Festungen im Stil der alten Ritterszeiten darstellen sollen. Es war nicht nur der schwule Bayernkönig Ludwig II. mit Neuschwanstein, den man vielleicht noch für geistig entrückt und völlig versponnen halten könnte, sondern war Teil einer ganz großen und weltweiten Inszenierung: Die Neugotik zählt zu den frühesten stilistischen Unterarten des Historismus, der auf Kunst- und Architekturstile der vorausgegangenen zwei Jahrtausende zurückgriff. Dieser Historismus wurde zwar von den Bürgern begierig aufgenommen, war aber gegen den Fortschritt gerichtet.

 

Das Schloss Hohenzollern, nebenstehend abgebildet (Wiki: Foto von A. Kniesel), wurde am 3. Oktober 1867 unter König Wilhelm I. von Preußen vollendet und eingeweiht. 1850 fand die Grundsteinlegung statt. Finanziert wurde der Bau gemeinsam von der brandenburgisch-preußischen und den fürstlich-schwäbischen Linien der Hohenzollern. Es war ganz sicher nicht nur eine Spinnerei der jeweiligen Fürsten, es war vielmehr ein politisches Projekt gegen den Einfluss des Bürgertums. Doch der Bau mittelalterlicher Schlösser allein wäre zu wenig gewesen. Es brauchte dazu auch die entsprechenden Romane, die in England etwa ein Walter Scott mit seinem Ivanhoe (1820) schrieb, und die für solche Schlösserburgen passenden Opern, die in Deutschland vor allem Richard Wagner komponieren sollte. 

 

So war dafür gesorgt, dass der Geist des kulturbeflissenen Bürgertums in die Zeiten der alten Könige, Prinzessinnen und furchtlosen Rittersleut zurück sank, Bänkelsänger wie in Richard Wagners Tannhäuser die Bürgerweiber begeisterten, aber an politischen Fortschritt gar nicht mehr zu denken war. Die patriotischen Bürger sahen sich alle wie in den Bayreuther Opern als ritterliche Helden mit Spießen, Schwert und Schild im Bärenfell durch den deutschen Wald rennen und auf die christliche Erlösung durch einen Parcival hoffen oder wie Goethes Faust durch einen Engel vom Himmel.

 

Ja, es begann schon mit Goethe und Schiller, die nicht umsonst dem deutschen Volk ins Herz gepredigt wurden von allen Mietmäulern und Soldfedern bis heute.